Zypern: Der große Zock

März 19, 2013

Die Art wie mit Zypern umgegangen wird ist schwer nachzuvollziehen. Es wirkt fast so, als ob hier versucht wird bewusst einen möglichst hohen Schaden zu verursachen. Im Politiksprech werden nun die Inhaber von Bankeinlagen „an der Rettung des Banksystems beteiligt“, also enteignet. Man muss sich die langfristigen Schäden vor Augen halten, die das mit sich bringt: Um dem Risiko möglicher Enteignung zu entgehen, werden die Untertanen Europas versuchen ihr Vermögen so zu gestalten, dass es dem Zugriff des Staates möglichst gut entzogen ist. Es zum Beispiel im Ausland anlegen oder in anonymen Anlageformen wie Bitcoin oder Gold. Wenn die Kosten dafür zu teuer sind, werden sie vermutlich ihre Sparanstrengungen vermindern. Insbesondere erwarte ich, dass wieder verstärkt Kapital aus den Krisenstaaten abfließt und ihre Erholung damit in noch weitere Ferne rückt. Dies dürfte man an den Traget-Salden der nächsten Monate ablesen können.

Auch kurzfristig war der Plan extrem riskant, nicht nur stößt er auf so starken Wiederstand, dass er droht komplett zu scheitern. Er hätte auch dazu führen können, dass die Untertanen anderer Krisenstaaten ihre Einlagen in Sicherheit bringen und hätte damit einen großflächigen Zusammenbruch von Banken ausgelöst. Weltweit sanken die Aktienmärke aus Furcht vor diesem Ereignis und erholten sich teilweise, nachdem sich abzeichnet, dass es ausbleibt.

Schwerer dürfte der politische Schaden sein. Ohne Not wurde die vertragsgemäße Verteilung der Risiken durchbrochen: Die Gläubiger der Banken müssen Verluste tragen, die Eigentümer nicht. Die Verluste treffen also diejenigen, die die Risiken weder kennen, noch beeinflussen können. Für den Kunden einer solide wirtschaftenden Bank ist das besonders bitter, da er zur Haftung für Risiken herangezogen wird, mit denen er nichts zu tun hat und die er vielleicht sogar bewusst vermieden hat. Das ist die besondere Willkür dieser Enteignungen. Wer spart und klug investiert wird bestraft, wer sein Geld verprasst oder verspekuliert kommt davon. Die politische Klasse hat wieder einmal gezeigt, dass sie bereit ist, sich über alles hinwegzusetzen was Recht und Billig ist und vergrößert damit die Kluft zwischen sich und ihren Untertanen.

Damit aber nicht genug: Bankeinlagen sind eine der sichersten Anlageformen überhaupt und erfüllen damit einen bestimmten Zweck in der Finanzplanung der Einzelnen. Dadurch, dass den Bankeinlagen künstlich Risiken aufgeladen werden, können sie diesen Zweck nur noch unzureichend erfüllen. Damit wird die Ausführung der persönlichen  Finanzpläne ein Stück weit vereitelt. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass Enteignungen Teile der Lebensgestaltung der Einzelnen gefährden.

Die Apologeten der Enteignungen verweisen zum einen darauf, dass ohne das „Rettungspacket“ die Zyprer wesentlich mehr verlieren würden, zum anderen dass es viele Steuerflüchtige und “Reiche“ trifft und daher gerecht sei. Den ersten Punkt widerspreche ich, da die Bankkunden sicher besser geschützt wären, wenn die Eigentümer und nachrangig besicherten Gläubiger die ersten Verluste tragen. Desweiteren ist es gar nicht sicher, dass es für das Land wirklich besser ist, einen unbezahlbaren Schuldenberg vorsich her zu schleppen. Das schlimmste, das der politischen Klasse passieren kann, ist, dass ein Land aus der Eurozone austritt und sich zügig erholt, so wie es Island vorgemacht hat. Den zweiten Punkt widerspreche ich, da er darauf hinausläuft, dass die Zyprer in kollektive Haftung genommen werden, die nicht durch die Verfehlung Einzelner gerechtfertigt werden kann.

Ein Grund, aus dem Schäuble Zypern die Enteignungen aufgezwungen hat, ist naheliegend: Er will den Finanzplatz Zypern auf Dauer beschädigen und damit eine Steueroase trockenlegen. Um dieses Ziel zu erreichen geht er, wie oben beschrieben, extreme Risiken ein und verursacht enorme Schäden. Er ist für mich ein verantwortungsloser Zocker.

Geistiges Eigentum und das kollektive Gedächtnis

März 7, 2013

Für viele Verfechter des geistigen Eigentums steht fest, dass es ohne geistiges Eigentum viel weniger kreative Schöpfungen existieren würden und Einschränkung der Freiheit, die mit dem geistigen Eigentum einher geht, damit gerechtfertigt ist. Ich halte diese These schon für gewagt, aber gehen wir einen Moment davon aus, das wegen dem geistigen Eigentum tatsächlich mehr Werke geschaffen werden. Heißt das automatisch auch der Pool an Werken, aus dem der Einzelne schöpfen kann, größer ist? Nein, denn durch das geistige Eigentum verschwinden auch viele Werke wieder aus dem kollektiven Gedächtnis.

Ein Buch, Computerspiel oder Film erhalten kurz nach ihrer Erscheinung die meiste Aufmerksamkeit. Viele Menschen verwenden neuerschienene Werke, sie sind in den Medien und man spricht darüber. In der Regel geraden diese Dinge aber wieder in Vergessenheit. Je länger seine Veröffentlichung zurückreicht, desto schwieriger wird es, das Werk zu an sich bringen. Wie jeder sicher selbst schon erlebt hat. Es kommen daher immer weniger Menschen damit in Kontakt. Damit schwindet auch das Wissen, dass es dieses Werk überhaupt gibt. Schließlich ist es ganz aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Es verstaubt in Bibliotheken ohne, dass es je ein Mensch wieder zur Kenntnis nimmt. Nur wenige Klassiker können diesem Schicksal entgehen.

Das Geistige Eigentum ist für diesen Prozess entscheidend. Es verbietet, ein Werk zu vervielfältigen, wenn man einer Kopie habhaft werden konnte und verhindert, dass man so zu seiner Weiterverbreitung beitragen kann. Das geistige Eigentum fordert, dass man Werke nur von einer Autorisierten Quelle beziehen kann. Dadurch schafft es Probleme, wenn sich der Lebenszyklus einer Schöpfung dem Ende nähert. Die Nachfrage ist dann so gering, dass alle Stellen, die dazu autorisiert wurden, den Vertrieb einstellen. Wäre es in diesem Stadium möglich, das Werk ohne weiteres zu kopieren, könnte jeder der es besitzt als Multiplikator dienen und es so im kollektiven Gedächtnis halten.

Der Nutzen des geistigen Eigentums ist also sehr fraglich. Selbst wenn es tatsächlich zu mehr künstlerischer Produktion führt, ist es wahrscheinlich, dass der Verlust durch in Vergessenheit geratene Werke den Gewinn übersteigt.

Blogparade: Schülerfragen zur Eurokrise

Februar 22, 2013

Der Blicklog hat eine Blogparade zur Eurokrise ausgerufen. Die Herausforderung besteht darin in wenigen Absätzen eine Reihe von Fragen schülergerecht zu beantworten. Hier ist mein Beitrag dazu:

  1. Wer ist Schuld an der Krise?

Wahrscheinlich ist es die Euroeinführung gewesen. Der Euro hatte zur Folge das in den Ländern, die heute am stärksten von der Krise betroffen sind, viel zu sehr in bestimmte Dinge investiert wurde. Vor der Euroeinführung waren die Zinsen in Südeuropa und Irland (den GIPS) viel höher als in Deutschland und den Niederlanden. Mit der Euroeinführung wurde es um einiges attraktiver, Geld in den GIPS anzulegen als z.B. in Deutschland. Das haben wir auch sehr deutlich gespürt. Die Investitionen in Deutschland waren damals extrem niedrig und das Wirtschaftswachstum war das niedrigste in Europa.

Auf der anderen Seite war die Entwicklung für die GIPS zunächst sehr erfreulich, dort wurde sehr viel investiert und Wachstum und Lohnsteigerungen waren enorm. Jedoch hatte der Zufluss von Kapital auch den Effekt, der die Preise für Investitionsobjekte wie z.B. Häuser stark stiegen. Es wurde lohnend derartige Dinge zu produzieren, auch wenn es keine Nachfrage durch Endkunden dafür gab. Es gab immer jemanden der bereit war Investitionsobjekte in der Hoffnung zu halten, dass die Preise noch weiter steigen. Die Produktion in den GIPS fing an sich auf die Produktion von Investitionsobjekten zu spezialisieren, für die es keine echte Nachfrage gab.

Das änderte sich mit der Immobilienkrise, die von den USA ausging. Plötzlich war kaum einer bereit sein Geld einem Risiko auszusetzen und somit fiel die künstliche Nachfrage nach Investitionsobjekten in sich zusammen. Damit verloren zuerst diejenigen ihr Einkommen, die z.B. im Bau beschäftig waren. Dann sank die Nachfrage nach allem anderen und sorgte auch dort für den Verlust von Einkommen. Schließlich brachen auch den Staaten die Einnahmen weg und die Ausgaben stiegen z.B. für Bankrettungen. Da die Gläubiger der Staaten Zweifel bekamen, ob die Staaten unter diesen Umständen ihre Schulden begleichen können, wurde die Krise zur Staatsschuldenkrise.

  1. Haben wir das Schlimmste hinter uns oder steht uns das erst bevor?

Meines Erachtens haben wir das Schlimmste gesehen. Die GIPS haben aufgehört am eigentlichen Bedarf vorbei zu produzieren. Das war sehr schmerzhaft, weil es mit hoher Arbeitslosigkeit einherging. Aber es gibt einen Lichtblick: Die GIPS können nun ihre Ressourcen dafür einsetzten echte Nachfrage zu befriedigen, damit Geld zu verdienen und sich entschulden. Leider wird es sehr lange dauern bis dieser Prozess ins Rollen kommt, weil z.B. die Ausbildung der Arbeitskräfte und die Ausrüstung der Unternehmen noch auf die Dinge ausgerichtet sind, die jetzt keiner mehr braucht.

 Das schlimmste was passieren kann, ist das die Politik versucht zu verhindern dass es zu dieser Anpassung kommt. In Japan wurde das versucht, weil man geglaubt hat damit die Arbeitslosigkeit verhindern zu können. Das Ergebnis war, das die Unternehmen bis heute unrentable Geschäftsbereiche mitschleppen und die Kraft für echtes Wachstum fehlt. Die Leidtragenden dieser Politik wird die junge Generation sein.

  1. Sind die Schulden eigentlich rückzahlbar?

Teils, Teils. In Irland sicher, in Spanien wahrscheinlich, aber in Portugal ist es schon unsicher und Griechenland wird es sicher nicht schaffen. Der Grund ist das die Gesellschaften unterschiedlich stark von der Euroeinführung betroffen waren und die Bereitschaft die nötigen Anpassungen auf sich zu nehmen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. So hat Griechenland bisher kaum Anpassungsbereitschaft gezeigt.

  1. Kann man den Politikern eigentlich noch trauen?

Natürlich nicht. Die Aufgabe eines Politikers ist es mit einfachen Botschaften möglichst viele Menschen zu erreichen. Was sie verbreiten ist also bestenfalls stark verkürzt und extrem oberflächlich. Politiker treffen Entscheidungen immer so, dass es so aussieht als ob andere die Schuld hätten, wenn etwas schlecht läuft. Ihnen fehlt daher die Bereitschaft einen klaren Schlussstrich zu ziehen, was häufig das Beste gewesen wäre. Japan hat auf die Weise mehrerer Jahrzehnte verloren. In Griechenland wurde eine Währungsreform nie ernsthaft in Erwägung gezogen, obwohl das vermutlich der beste Weg für dieses Land wäre, die Krise zu bewältigen.

  1. Warum bekommen die Banken Geld, die Armen aber nicht?

Weil die Politiker Angst haben für die Konsequenzen verantwortlich gemacht werden, wenn die Bankpleiten immer weitere Kreise ziehen. Das Problem ist das die Politik nicht wirklich einschätzen kann, wie gut es den Banken wirklich geht. Sie sind also darauf angewiesen dem zu glauben, was die Banken über sich behaupten. Die  Befürchtung ist, dass wenn zu viele Banken bankrottgehen, die Wirtschaft zu wenig Kredite bekommt, die Konjunktur einbricht und die Arbeitslosigkeit stark steigt.

  1. Können Griechenland, Italien etc. eigentlich ihre Schulden abbauen?

Theoretisch reicht es mehr einzunehmen als auszugeben. Wenn sich die Konjunktur wieder erholt, werden die Einnahmen wieder steigen. Die Kunst ist lediglich die Ausgaben unter Kontrolle zu halten. Solange die Einnahmen fallen, weiß niemand wie sehr die Ausgaben gekürzt werden müssen. Daher kommt die Unsicherheit. Ein weiteres Problem ist, dass wenn der Staat seine Ausgaben stark kürz, auch vorrübergehend auch seine Einnahmen darunter leiden.

  1. Was würde passieren, wenn diese Länder keinerlei finanzielle Unterstützung mehr bekämen?

Es wäre dann für diese Länder sehr schwierig, die bestehenden Schulden zu verlängern. Es ist nämlich so, dass jedes Jahr ein Teil der Staatsschulden fällig wird und durch neue Kreditaufnahme ersetzt werden muss. Ohne finanzielle Unterstützung, würde das den GIPS schwerfallen. Für Italien und Irland wäre es vermutlich ausreichend, wenn sie höhere Zinsen anbieten und mehr Entschlossenheit zeigen, den Haushalt und die Wirtschaft zu sanieren. Für diese Länder wäre das sogar positiv.

Spanien und Portugal hätten größere Probleme und müssten vermutlich mit ihren Gläubigern neue Bedingungen aushandeln, damit sie vorrübergehend keine Zins und Tilgungszahlungen leisten müssen. Der Schaden für diese Länder wäre begrenzt, aber für die Finanzmärkte wär es die Hölle. Banken und Finanzmärkte würden unter der hohen Unsicherheit leiden, die während der Neuverhandlung herrscht. Die Politiker wollen dafür nicht verantwortlich gemacht werden und trauen sich daher nicht an diese Lösung heran.

Griechenland hätte die Staatspleite. Die Wirtschaft würde stark Einbrechen und die Arbeitslosigkeit auf 30% oder mehr steigen. Allerdings wäre das auch die Change für einen Neuanfang und das Ende der jahrelangen Agonie, die wir zurzeit haben.

  1. Was können WIR BÜRGER zur Verbesserung der Finanzen/Weltwirtschaft beitragen?

Vor allem ist es wichtig zu verstehen, das die Finanzprobleme des Staates nicht durch mehr Einnahmen gelöst werden kann. Wenn ein Staat mehr Geld einnimmt gibt er einfach mehr aus. Bestes Beispiel ist Deutschland. Trotz Rekordeinnahmen, macht der deutsche Staat immer weiter Schulden obwohl er mehr einnimmt als er vor wenigen Jahren ausgegeben hat. Wirklich erfolgsversprechend ist es nur, die Ausgaben zu begrenzen. Für den Bürger heißt das zu hinterfragen, ob es für die Dinge die er den Staat überlassen hätten nicht auch eigene Lösungen gibt und es heißt aufzuhören ständig auf staatliche Leistungen und Zuschüsse zu schielen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Sind wir wirklich auf Riesterrente angewiesen oder wäre ein selbstverwaltetes Wertpapierdepot nicht die bessere Altersvorsorge? Indem man solche Fragen stellt entwickelt man sich zu einem in vielen Dingen unabhängigen und mündigen Bürger.

Investmentartikel und Blogs

Februar 18, 2013

Heute habe ich einen meiner Artikel nicht hier sondern auf Stefans Simple Value Investing als Gastartikel veröffentlicht. In dem Artikel geht es weniger um die Freiheit der Gesellschaft und des Einzelnen sondern ganz bodenständig darum, wie man es auf kluge Weise schafft das eigene Vermögen zu mehren. Da ich den Schwerpunkt von Freiheit und Optimismus nicht verwässern will, habe ich mich entschieden, den Artikel andernorts unterzubringen. Für den Fall einige Leser Interesse an Investmentfragen haben, wurde die Blogroll um meine Lieblingsblogs aus dem Bereich erweitert. Es handelt sich neben den bereits erwähnten http://simple-value-investing.de um http://www.timschaefermedia.com/ und http://valueandopportunity.com/ Viel Vergnügen.

Klagen, statt zahlen

Februar 5, 2013

Mit der Umstellung von der Rundfunkgebühr auf den Rundfunkbeitrag bin ich gezwungen meine Maßnahmen anzupassen mit der ich es vermeide die öffentlich-„rechtlichen“ Medien zu finanzieren. Bisher war es ausreichend keine Rundfunkgeräte „zum Empfang bereitzuhalten“. Mit der Änderung ändert sich das nun. Nun wird jeder Haushalt unabhängig davon, ob er Rundfunkgeräte besitzt,  gezwungen den Beitrag zu entrichten. Ich habe nicht vor mir das gefallen zu lassen und werde mich dagegen zu Wehr setzten. Die aussichtsreichste Methode dürfte sein gegen die Zahlungsaufforderungen Widerspruch einzulegen und gegen den darauf folgenden Zahlungsbescheid zu klagen.

Der öffentlich-„rechtliche“ Rundfunkt hat seinen eigentlichen Zweck längst überlebt. Er ist nicht notwendig, um objektiv zu informieren. Meines Erachtens betreibt er sogar Desinformation.  Der Grund warum er noch bis heute existiert ist, die Tendenz jeder Bürokratie mehr und mehr Ressourcen zu verbrauchen, um sie ihren Mitgliedern zuzuführen. Im Fall der Ö“R“R kommt noch hinzu das das Verfassungsgericht schwer versagt hat, indem dem Wachstum über alle vernünftigen Grenzen keine Schranken gesetzt wurde und eine Kontrolle durch die Politik nicht gewollt ist (Unabhängigkeit und so). Damit hat sich die Situation entwickelt, dass sich die Angestellten Ö“R“R auf Kosten der Gebührenzahler selbst bereichern können ohne dass dem Jemand Einhalt gebietet. Die Einzige Grenze wird durch die Höhe der Beitragszahlungen gesetzt. Dazu hat der Ö“R“R zwei Möglichkeiten: die Gebühren zu erhöhen, wovon er reichlich Gebrauch macht und den Kreis der Beitragszahler zu erweitern. Keinen anderen Grund haben die Reformen des Betrags, also erst die Sinnwidrige Miteinbeziehung von PC zu den Rundfunkgeräten und nun die Haushaltsabgabe.

Meines Erachtens muss die Möglichkeit erhalten bleiben, den Ö“R“R sein Vertrauen zu entziehen und ihm die Finanzierung zu versagen. Eine „Flucht aus Rundfunkgebühr“ muss als Teil der Allgemeinen Handlungsfreiheit möglich sein. Wenn ein Großteil der Bürger kein „Informationsangebot“ durch den Ö“R“R wünscht, muss dieser den Willen der Bürger akzeptieren und sich entsprechend einschränken. Eine Korrektur durch die Politik ist nicht zu erwarten. Durch die Dominanz der Ö“R“R in der Berichterstattung ist jeder Politiker auf gute Beziehungen mit ihm angewiesen und kann sich daher nicht leisten sich an gegen den Ö“R“R gerichtete Vorhaben zu beteiligen. Um den Ö“R“R Einzuschränken muss also der Bürger tätig werden. Dies wird jedoch zunehmend kriminalisiert.

Eine geeignete Protestform gegen die Entwicklung des Ö“R“R ist die Zahlung vorrübergehend einzustellen, um die Rechtsweg zu eröffnen (Man muss den Beitrag vorläufig zahlen nachdem man den Zahlunsbescheid erhalten hat, um keine Ordnungswidrigkeit zu begehen, wichtig „unter Vorbehalt“ bei der Überweisung anzugeben, wenn eine Feststellungsklage möglich ist, sollte dieser Weg vorgezogen werden). Durch eine Welle von Gerichtsverfahren kann der Öffentliche Druck erzeugt werden, um eine Änderung herbeizuführen. Die Kosten hierfür sind zunächst überschaubar und belaufen sich für die erste Instanz auf etwa 250 Euro. Wer vor hat diesen Weg zu beschreiten, ist natürlich gut beraten sich gründlich zu informieren. Eine Idee wie das Verfahren abläuft bietet folgende Seite http://www.online-boykott.de/de/klagen-statt-zahlen , Auf folgenden Seiten gibt es weiterführende Informationen dazu:

http://www.online-boykott.de/de/

http://www.wohnungsabgabe.de/

Wenn Faschismus erfolgreich ist

Januar 29, 2013

Laut Meldung von tagesschau.de stoppt BASF eine Zulassungsanträge für verschiedene gentechnisch veränderte Kartoffelsorten. Der Grund sei die Zerstörung von Kartoffelfeldern und der Wiederstand von “Umweltschützern”. Hier wurden unliebsame Handlungen mit Hilfe von Gewalt unterbunden. Wie der erste Kommentar auf tagesschau.de zeigt, wird das von Teilen der Bevölkerung sogar begrüßt. Meines Erachtens ist ein Merkmal des Totalitarismus, das Gewalt nicht Zentral gesteuert wird, sondern sie dezentral ausgeübt wird und eine formierte Gesellschaft zu schaffen. Mit der Niederlage von BASF sind wir einer totalitären Gesellschaft wieder etwas näher gerückt. Es muss die Aufgabe jeden Demokraten sein, sich unabhängig davon, wie er zur Gentechnik steht, den Versuchen totalitärer Machtentfaltung entgegenzusetzen.

Quelle http://www.tagesschau.de/wirtschaft/genkartoffeln100.html

Berufswahl und Oberflächlichkeit

Januar 18, 2013

Es gibt eine bestimmte linke Überzeugung mit der ich mich schon länger auseinandersetzten wollte, sie kommt in einer Überheblichkeit dem Normalen gegenüber zum Ausdruck. Eine gute Gelegenheit für eine Kritik hat mir der Gastbeitrag von Ariadne von Schirach Risiko Zombie oder warum es sich lohnt, das Leben zu wagen (1) auf dem Blicklog ergeben. Von Schirachs Argumente sind nicht gerade neu, aber sie haben immerhin den Vorteil besonders eloquent vorgetragen zu werden.

Von Schirach entwickelt ihre Argumentation anhand einer Charakterisierung eines 19-jährigen Abiturienten. Der Abiturient K. (mehr erfahren wir nicht über seinen Namen) hat vor Jura zu studieren,  gutes Geld zu verdienen und wenn sich die Möglichkeit ergibt berühmt zu werden. Es sind sicher keinen außergewöhnlichen Wünsche, sie sind weder überzogenen noch defätistisch. Und der Plan sie zu verwirklichen klingt vernünftig. Wie reagiert von Schirach auf sie?

„Der Weg zum Beruf ist nicht der Weg zu sich. Dass diese beiden Dinge sich so unheilig vermischen, ist der Marktwerdung des Menschen geschuldet, dessen Wert nur noch in seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit zu bestehen scheint.“

Soll man also nicht davon ausgehen, dass die Frage welchen Beruf man ergreifen will, die Frage ist, die einen Schulabgänger am meisten beschäftigt? Wäre es nicht gerade fahrlässig, wenn es anders wäre? Entweder von Schirach hat den Aufhänger ihres Essays besondere unachtsam ausgewählt oder ihr fehlt es an Empathie. Aber auch davon abgesehen liegt von Schirach falsch. Es gibt natürlich einen engen Zusammenhang von Berufswahl und Persönlichkeit. Welchen Beruf wir ergreifen ist ein Ausdruck unserer Selbstentfaltung. Die Erfahrungen, die wir während unserer Ausbildung machen, werden uns für immer prägen. Und nicht zuletzt ziehen bestimmte Berufe bestimmte Menschen an. Der Charakter von Juristen, Politologen oder Physikern ähnelt sich untereinander stärker als der von Studenten im Allgemeinen. Es stimmt zwar auch das unsere Persönlichkeit weitaus mehr umfasst als nur unseren Beruf, aber von Schirach sieht jede Art von Identifikation über den Beruf als „unheilig“ an.

Von Schirach scheint die Berufswahl allein unter dem materiellen Aspekt zu sehen. Dass sie für die meisten Menschen eine persönlichere Bedeutung hat übersieht sie entweder oder blendet es damit sich ein runderer Text ergibt. Aber damit führt auch der zweite Teil des zitierten Abschnitts in die Irre, die hohe Bedeutung der Berufswahl liegt weder an der „Marktwerdung des Menschen“ noch seiner „wirtschaftlichen Verwertbarkeit“. Man kann ihr bestenfalls soweit folgen, dass die Berufswahl nicht unter materiellen Aspekten gefällt werden sollten. Dazu unten mehr.

Weiter schildert von Schirach Ks Motive folgendermaßen: Er sei darauf fixiert seinen Marktwert zu bestimmen, möchte ein Winner werden, suche nach Sicherheit und Souveränität. Dabei sei ihm bewusst, dass „weder Geld noch Erfolg dieses Versprechen einlösen können das Versprechen nämlich, Herr seines Lebens zu sein, es zu meistern“

Für von Schirach stellen diese Motive eine Gleichzeitigkeit von „totalem Konformismus und ebenso totalem Glauben an die eigene Unbestechlichkeit“ dar, dies sei ihr zu Folge die moderne Form von Adornos Verblendungszusammenhang. Man kann nicht abstreiten, dass es einen Widerspruch zwischen K. Verhalten und seinen Verlautbarungen gibt. Wenn sein Handeln nicht seinem Ziel dient Sicherheit und Souveränität zu erlangen dient, warum handelt er dann in dieser Weise?

Ich denke nicht, dass der Mensch ein reines Verstandeswesen ist, er ist in viel höheren Maße ein Instinktwesen. Zu seinen Instinkten gehört auch nicht allzu sehr von der Masse abzuweichen. Allerdings hat dieser Instinkt auch sein Gutes. Auch wenn die Masse selten zu einem guten Ergebnis kommt, kommt sie doch aus selten zu einem katastrophal schlechten. Wer sich gegen die Masse stellt sollte sehr genau wissen was er tut. K. verhält sich so wie sich die meisten in seiner Situation verhalten und wählt ein Studium. Für die einen ist das ein Verblendungszusammenhang, für die anderen ein simples Abwägen zwischen Sicherheit und Chancen.

Von Schirach geht von einer überraschenden Passivität aus. Sie schreibt von einer „Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die sich irgendwann fast ohne eigenes Zutun ereignen wird“ oder von der Bereitschaft, sich dem Marktgeschehen zu überlassen. Hier kommt ihre Unfähigkeit zum Ausdruck, die Freiheit wo anderes zu entdecken als im kollektiven Handeln. Dies ist eine viel gefährlichere Lüge als alles was sie dem Kapitalismus andichtet. Es ist die Illusion im Hier und Jetzt keine Kontrolle über unser Leben zu haben, sondern diese Kontrolle einzig und allein durch einen kollektiven Akt der Auflehnung gegen das Bestehende erreichen zu können. Die Illusion keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben mache ich dafür verantwortlich, dass viele ihre eigentlichen Chancen übersehen. Der Grund dafür, dass Linke überdurchschnittlich oft unter Depression oder Angstzuständen leiden, ist meines Erachtens das ihr Weltbild sie in diesem Irrglauben noch bestärkt.

Trotz aller antikapitalistischer Ressentiment schafft es von Schirach schließlich doch etwas sinnvolles zu schreiben: „Damit folgt er der allersimpelsten kapitalistischen Logik, einer Logik der „Kaufbarkeit“, die verspricht, einen inneren Zustand durch äußere Objekte zu ersetzen: Meine Bücherwand ist für mich gebildet, meine Kleidung hat für mich Geschmack, mein Wagen ist für mich sportlich. Diese fatale Verschiebung wird begleitet von der
Vorstellung, es sei jederzeit möglich, ein Schnäppchen zu machen, also etwas Kostbares für den Bruchteil seines Wertes zu bekommen. Souveränität nun, oder auch Charakter, Persönlichkeit, Eigenständigkeit gehören zum wertvollsten Besitz eines Menschen und müssen – wie alles von Wert – mühsam erworben werden. Dieser Erwerb ist innere, seelische Arbeit, ist ein Aussetzen
und Aushalten und Annehmen.“

Was so antikapitalistisch daherkommt hat mit Kapitalismus wenig zu tun, sondern ist eine Kritik an materialistischem Denken. Diese Kritik teile ich. Das von Schirach eigentlich den Materialismus kritisiert konnte man schon an vorhergehenden Textstellen ahnen: Den Wert des Menschen nur noch in seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit zu bemessen, ist nicht Kapitalismus sondern Materialismus. Im Etatismus werden Menschen noch sehr viel mehr auf ihren wirtschaftlichen Wert beschränkt, weil dort der Mensch sehr viel mehr angeblich höheren Zwecken (z.B. Vaterland und Rente) untergeordnet wird. Den Kapitalismus eine  Logik der „Kaufbarkeit“ zu unterstellen, heißt nichts anderes als eine Karikatur von ihm zu zeichnen.

Was von Schirach übersieht, ist das man nicht dem Materialismus verfallen sein muss, um vom Kapitalismus zu profitieren. Von Schirach glaubt offensichtlich, dass es die dominierenden Verhaltensweisen die Menschen um ihre Chancen beraubt. So schreibt sie von der ausgebeuteten Jugend oder „Es gibt keine Ausnahmen. Und nur der Glaube jedes Einzelnen, die Ausnahme zu sein, hält das System am laufen.“ Sie übersieht, dass der Markt die Realitäten mit denen wir zu leben haben nur abbildet, aber nicht selbst hervorbringt. Wir können nicht in allen Lebensbereichen gleichermaßen glänzen, dafür reichen unsere zeitlichen und mentalen Ressourcen nicht aus. Wir müssen also den Preis zahlen in bestimmten Bereichen zu versagen, um in anderen Erfolgen zu haben. Wenn wir uns dessen bewusst sind, ist der Misserfolg in einem Bereich nur der Preis für den Erfolg in einem anderen. Sein Leben auch im Hinblick auf die eigene Unvollkommenheit zu gestalten ist Freiheit. Dazu ist es nötig zwischen Alternativen wählen zu können und sich Alternativen sogar selbst schaffen zu können. Kapitalismus ist nichts anderes als die Möglichkeit der Wahl im wirtschaftlichen Bereich. Aber auf dem Markt wirken die Konsequenzen unserer Entscheidungen, ihre Kosten unmittelbar auf uns zurück. Gerade weil der Markt auf brutale Weise ehrlich ist, ermöglich er dem Einzelnen die Freiheit.

Was ist also die typisch linke Einstellung die ich in von Schirachs Artikel kritisiere? Es ist der Versuch die Verantwortung für sein Glück dem Einzelnen zu entreißen und sie dem Gesellschaftlichen zu überantworten. Diese Einstellung ist durchaus militant, denn sie geht mit einer Verachtung gegenüber allen einher, die es wagen ihr Glück in der Gestaltung des eigen Lebens zu suchen und sich damit der Vergesellschaftlichung widersetzen.

Etatismus und das Irrationale

Januar 15, 2013

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Deutsches Sprichwort

Je mehr eine Gesellschaft ihren freiheitlichen Charakter verliert, desto eher werden Entscheidungen nicht nach rationalen Erwägungen getroffen. Prominente Beispiele findet man in der Geschichte des Kommunismus. Wegen des Lyssenkoismus wurden in der Sowjetunion Wissenschaftler verfolgt und schließlich verfehlte Entscheidungen in der Landwirtschaft getroffen, die eine Hungersnot zu Folge hatten. Aber auch in freieren Gesellschaften, lassen sich ähnliche Effekte beobachten.

Die Ursache ist, dass im Etatismus der Druck fehlt Entscheidungen zu korrigieren. Wenn Entscheidungen aufgrund von fehlerhaften Annahmen getroffen werden, führen sie zu negativen Resultaten. In einer freien Gesellschaft können die Menschen sofort auf darauf reagieren, z.B. in dem sie eher mit einem Konkurrenten kooperieren. Wenn eine Gesellschaft durch Zwang dominiert wird, fehlt dieser Feedback-Mechanismus. Die Menschen haben keine Wahl als mit schlechten Resultaten zu leben, weil sie zur Kooperation gezwungen werden.

Dieser Umstand hat zur Folge, dass die Qualität der Entscheidungsfindung abnimmt. Wenn man nicht für die Folgen seines Tuns verantwortlich gemacht wird, wird man seine Energie nicht damit verschwenden sich sein Handeln gut zu überlegen, sondern die Energie in Dinge stecken, die das Fortkommen mehr befördern: Das Schmieden von Bündnissen und die Suche nach Patronage. Da diejenigen die diesen Gedanken am konsequentesten umsetzen, am ehesten Karriere machen, füllen sich die oberen Ränge einer Hierarchie mit Menschen, deren Qualität nicht in ihrer Sachkenntnis liegt, sondern im möglichst kantenlosen Nach-Oben-Gleiten.

Zu der Anpassung an Patrone und Bündnispartnern kommt der Bedürfnis nicht anecken zu wollen. Dieses Bedürfnis ist umso stärker, je mehr unser Einkommen nicht von unserer Leistung abhängt, sondern von der Meinung anderer über uns. Daher kommt eine starke Orientierung an der Normalität. Selbst absurde Thesen, wie das Frauen für gleiche Leistungen weniger Gehalt bekommen, werden nicht hinterfragt, wenn sie von der Öffentlichkeit getragen werden. Hier kommt es weniger auf die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse an, sonder darum das abweichenden Meinungen kein Forum mehr geboten wird. Hat der Einzelne den Eindruck mit seiner Meinung alleine zu sein, wird er nicht riskieren sie öffentlich zu vertreten. Wenn wenige Menschen eine Meinung öffentlich vertreten, werden andere die der gleichen Meinung anhängen sich ebenfalls zurückhalten. Diesen sich selbst verstärkenden Prozess nannte Nölle-Naumann Schweigespirale.

Da das in den Medien vertretene politische Spektrum immer enger geworden ist, kann man davon ausgehen, dass die Medieneliten ähnliche Schweigespiralen durchlaufen haben. Dies wird durch die Besonderheiten der Deutschen Medien begünstigt. Hier haben die öffentliche-rechtlichen Sender eine Leitfunktion, die durch ihre Finanzierung über Zwangsgebühren gesichert ist. Durch die Finanzierungsweise spielt Leistung bei der Besetzung der Posten nur eine untergerodete Rolle, wichtiger sind die persönlichen Beziehungen. Schafft es eine politische Strömung die Öffentlichen Medien dominieren und Andersdenkende zu verdrängen, hat sie einen gewaltigen Hebel um in der Gesellschaft Schweigespiralen in Gang zu setzen. So gibt es beispielsweise Sprachregeln zu energiepolitisch und Klima relevanten Berichten.

In einer freien Gesellschaft ist die öffentliche Meinung heterogener. Hier wird belohnt wer Eigeninitiative zeigt und die Fähigkeit zum eigenständigen Denken behält. Im Etatismus werden wir dazu erzogen nicht anzuecken. Das fängt schon in der Schule an, in der man, um gute Noten zu erhalten nicht zu laut sagt, was der Meinung des Lehrers widerspricht. In einer Freien Gesellschaft hat man am Markt Erfolg, in einer etatistischen durch das Schmieden von Bündnissen und politische Einflussnahme. Um am Markt Erfolg zu haben, muss man sich mit dem beschäftigen was ist. In politischen Netzwerken hat man Erfolg, in dem man vertritt was die Leute glauben.

Die Abwertung der Wahrheitsliebe zugunsten des Konformismus hat erstaunliche Folgen. Da es eine größere Rolle spielt wer eine Meinung vertritt als ob sie zutrifft, geht die Fähigkeit verloren eine Argumentation zu prüfen. Die wenigsten Menschen sind in der Lage einen logischen Schluss von reiner Plausibilität zu unterscheiden. Damit geht eine Errungenschaft der Aufklärung verloren, die Orientierung an der Rationalität. Seit der Aufklärung mussten Entscheidungsträger in der Lage sein ihr Handeln rational zu begründen. Das heißt so zu erklären, dass es für andere nachvollziehbar ist. Wird es noch nicht einmal dann öffentlich kritisiert, wenn jemand absurde Entscheidungen trifft, etwa den überhasteten Ausstieg aus der Kernenergie.

Die Orientierung an der Rationalität war ein großer Schritt in Richtung einer freien Gesellschaft, da durch sie die Willkür der Herrscher eingeschränkt wurde.  Heute büßt die Rationalität ihre Leidfunktion ein, wie man daran sieht, dass das Quellenargument wieder akzeptiert wird. Also eine Argumentation als wiederlegt gilt wenn, denjenigen, der die Argumentation vorbringt, Eigeninteressen unterstellt werden. Es handelt sich um einen klassischen Fehlschluss, wer das Quellenargument verwendet, dem sollte das eigentlich peinlich sein.

Die Rationalität ist ein hohes Gut. Nur sie sichert das die richtigen Entscheidungen getroffen werden, was unser Wohlergehen sichert. Aber nur wenn die Menschen die Wahl haben mit wem sie kooperieren und wem sie die Kooperation verweigern, entsteht der Druck der notwendig ist, um den Wert der Rationalität aufrecht zu erhalten.

ME_415_RealityAboveLaw

Naives Misstrauen

Dezember 19, 2012

In politischen Diskussionen wird man oft bemerken, dass es so gut wie nie zu einem Konsens kommt und trotzdem alle Beteiligen ihre Überzeugung für vernünftig halten. Der Grund dafür liegt seltener in unterschiedlichen Werturteilen, sondern darin das Tatsachen anhand unterschiedlicher Heuristiken eingeordnet werden. Eine Studie über die Wirkung von Derivaten auf die Lebensmittelpreise mag den einen überzeugen, der andere hält sie für ein Produkt von Lobbyismus und ignoriert sie einfach. Eine Heuristik, die ich für besonders schädlich halte ist die Angst, dass uns die Dinge, die wir nicht verstehen, zum Nachteil gereichen, das naive Misstrauen.

Prominente Beispiele für diese Art des Denkens findet man in Diskussionen über Gentechnik oder Spekulation. So wird die Gentechnik häufig mit dem Argument angegriffen, dass man die Wirkung von gentechnischen Eingriffen prinzipiell nicht vorhersehen kann. Hier wird unterstellt, dass das, was Laien nicht durchschauen können, mit hohen Risiken verbunden sein muss. Deutlicher tritt das naive Misstrauen beim Thema Spekulation hervor. Der Vorwurf ist hier, dass Spekulation keine Werte erzeugt und der Spekulant folgerichtig am Rest der Wirtschaft schmarotz. Die Lücken in diesem Bild werden mit Mutmaßungen aufgefüllt. Dem Spekulanten werden Fähigkeiten zugeschrieben, die nicht im Bereich des Möglichen liegen. Etwa das er fähig sei dauerhaft enorme Gewinne zu generieren.

Das naive Misstrauen zeichnet sich dadurch aus, dass diejenigen die diese Heuristik verwenden, nicht daran interessiert sind, ihren Kenntnisstand in der Streitfrage zu verbessern. Der Grund  liegt zum Teil darin, dass man die eigenen Mutmaßungen mit Wissen verwechselt, teils glaubt man nicht mehr daran, dass objektives Wissen möglich ist. Der Wissenschaft wird unterstellt, dass sie gekauft sei. Aufgrund seines beschränkten Kenntnisstandes ist der Naiv-Misstrauische nicht in der Lage den Nutzen einer bestimmten Handlungsweise zu erfassen. Aus dem Umstand, dass ihm kein Nutzen bekannt ist, schließt er, dass sie tatsächlich keinen Nutzen stiftet.

Saatgutunternehmen wird oft vorgeworfen, dass gentechnisch veränderte Hybridsaat, die nicht zur Wiederaussaat geeignet ist, Kleinbauern benachteiligen würde. Die Naivität des Misstrauens gegenüber Gentechnik wird hier besonders deutlich. Wer so argumentiert glaubt besser einschätzen zu können, was den Kleinbauern nütz als diese selbst. Ein Bauer wird die Saat verwenden, von der er sich den höchsten Nutzen verspricht. Er wird sich das sehr genau überlegen, weil buchstäblich seine Existenz davon abhängt. Die Wahl eines Bauern ist also ein sehr guter Indikator dafür, was die geeignetste Saat ist. Somit belegt die weltweite Verbreitung der Gentechnik, dass sie den Landwirten Vorteile bringt.

Eine Handlungsweise die scheinbar keinen Nutzen stiftet, aber von der manche dennoch profitieren, weckt natürlich die Angst übervorteilt zu werden. Wenn es keinen Nutzen gibt, muss der Vorteil zu Lasten anderer gehen. Die Furcht vor dem Unverstandenen hat noch eine andere Quelle: Die Angst davor, dass das Unverstandenen die eigene Lebensweise überwältigt. Im Fall der Spekulation äußert sich die Angst in der Befürchtung, dass sie die Wirtschaft destabilisiert. Wahrscheinlich hat auch Homophobie hier seine Ursache.

Das naive Misstrauen ist ein Rückfall hinter die Aufklärung. Naives Misstrauen lebt von der Ansicht, dass es nicht möglich ist den Dingen auf den Grund zu gehen. Entweder es bleibt bei oberflächlichen Mutmaßungen stehen und ahnt nicht, dass es noch ein tieferes Wissen gibt oder es unterstellt, dass uns aufgrund von Standpunkt und Interessen der Zugang zur Objektivität versperrt ist. Es verharrt damit in der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Es war der Anspruch der Aufklärung, dass die Gründe aufgrund deren etwas für wahr gehalten werden, durch jeden nachgeprüft werden können. Das naive Misstrauen verwirft, diesen Anspruch. Erkenntnis wird an Experten delegiert und deren Ergebnisse als willkürlich verworfen.

Dem naiven Misstrauen ist ein begründetest Vertrauen entgegenzusetzen, den Weg dahin zeigt die Aufklärung auf. Auch ein gebildeter Mensch kann nicht alle Streitfragen auf höchstem Niveau beurteilen. Bei der Meinungsbildung müssen wir zwangsläufig auf Heuristiken zurückgreifen. Daher lohnt es sich über diese besonders Intensiv zu reflektieren. Eine besser Heuristik als das naive Misstrauen ist etwa folgende: Wenn Menschen zur freiwilliger Interaktion bereit  sind, ist davon auszugehen, dass die Interaktion allen Beteiligten zum Nutzen gereicht, auch wenn dieser für uns schwer zu erkennen ist. Man kann diese Heuristik logisch erschließen. Andere haben einen besseren Einblick in ihre Lebensumstände und den Einflüssen, die darauf wirken. Ihren Entscheidungen ist also informierter als unsere Mutmaßung welche Entscheidung an ihrer Stelle richtig wäre. Das Vertrauen in diese Heuristik wächst, wenn sie sich empirisch bestätigt. Man kann dazu sein Wissen in bestimmten Bereichen vertiefen, um zu verstehen worin der Nutzen liegt der Außenstehenden verborgen bleibt.

 Um das naive Misstrauen zu überwinden ist noch eine zweite Heuristik nötig: Das Vertrauen in das, was uns Nutzen bringt. Die Angst vor dem Unverstandenen, ist oft die Angst davor, das zu verlieren was uns nutzt. Der Grund ist, dass wir das Nützliche oft für ein Produkt des Zufalls halten. Wer glaubt, dass Spekulanten die Preise hochtreiben können, glaubt dass die Preise eine rein willkürliche Übereinkunft sind. Wenn man die Einflussfaktoren begreift durch die ein Preis festgelegt wird, wird sehen, dass sich die Höhe eines Preises exakt durch diese bestimmt wird. Solch ein Wissen schafft Vertrauen. Die Zukunft ist nicht völlig unvorhersehbar, sondern verläuft im Rahmen dessen, was absehbar ist. Je besser wir unser Lebensumstände verstehen, umso besser können wir unterscheiden was wir fürchten müssen und welche Furcht unbegründet ist. Unterm Strich wird das Leben entspannter.

In der Höhle der Grünen

Dezember 14, 2012

Letze Woche hat es mich aus Interesse in eine „Informationsveranstaltung“ der örtlichen Naturschutzgruppe verschlagen. Der Referent Felix zu Löwenstein hielt einen durchaus spannenden und interessanten Vortrag zu dem Thema: „Welternährung in Zeiten von Klimawandel und globaler Ressourcenkrise“. Natürlich war ich in den meisten Punkten absolut anderer Ansicht als der Vortragende, aber dennoch konnte ich einige interessante Denkanstöße mitnehmen.

Zu Löwenstein erläuterte in seinem Vortrag drei Thesen: 1. Es bedarf keiner Produktivitätssteigerungen, um die Welternährung zu sichern. 2. Die konventionelle Landwirtschaft kann nicht weiter geführt werden. 3. Die ökologische Landwirtschaft kann die Weltbevölkerung ernähren.

Um die These zu stützen, dass es keiner Produktivitätssteigerung bedürfe führt Löwenstein an, dass 50% aller Lebensmittel verderben und es ausreiche, diesen Anteil zu reduzieren. Meiner Ansicht mag das stimmen, aber trotzdem könnten Produktivitätssteigerung ab einen bestimmten Punk billiger sein, als mit hohem Aufwand den Anteil der Lebensmittel die tatsächlich verzehrt werden zu steigern. Wenn  Produktivitätssteigerung möglich sind, warum darauf verzichten?

Die zweite These, die konventionelle Landwirtschaft könne nicht weiter geführt werden ist schon interessanter. Löwenstein führt verschiedene Argumente gegen die konventionelle Landwirtschaft ins Feld. Die erste ist der Ressourcenverbrauch, der mit der konventionellen Landwirtschaft einhergeht. Zur Herstellung von Kunstdünger ist viel Energie notwendig, was zum Beispiel am Haber-Bosch-Verfahren liegt. Da die fossilen Energieträger zu Neige gehen, sei ein Umdenken erforderlich. Diesem Punkt kann ich mich nicht anschließen, da durch neue Fördertechniken die Reichweite der fossilen Energieträger wieder steigt, im Fall der Kohle mehr als 100 Jahre beträgt und sie zur Not auch durch Kernenergie ersetz werden können. Wenn es hier also ein Problem gibt, keines dass sich in absehbarer Zukunft stellen wird.

 Eine weiter endliche Ressource sei Phosphor. Dieser reiche nach den Optimistischen Schätzungen nur noch 300 Jahre. Dies ist Löwenstein zu wenig und stellt dem die 500 Jahre entgegen, die sein Gut schon bewirtschaftet werden. Auch hier sehe ich kein Handlungsbedarf in 300 Jahren können sich leicht Phosphorquellen erschließen, an die heute noch keiner denkt. Rückgewinnung aus der Kanalisation, Abbau aus dem Weltraum oder die Erzeugung durch Kernfusion seien mal als Denkanstöße genannt.

Weiter argumentiert Löwenstein mit der Umweltbelastung durch die Landwirtschaft. Das halte ich tatsächlich für sein stärkstes Argument. So führt er zum Beispiel auf, dass in Niedersachen an vielen Orten, die Grundwasserbelastung mit Stickoxiden über den Grenzwerten liegen und dass durch den Nährstoffeintrag in die Meere sich Todeszonen am Meeresgrund gebildet haben. Hier hat er mich tatsächlich teilweise überzeugt. Ich denke, dass Mechanismen sinnvoll wären, mit dem die Emissionen aus der Landwirtschaft begrenzen lassen. Allerding hat pro Ertrag gerechnet die Ökologische Landwirtschaft oft negativere Auswirkung auf die Umwelt als die konventionelle.

Um die These zu stützen, dass die ökologische Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernähren kann nennt Löwenstein einige wohl erfolgreiche Projekte, bei denen mit ökologischer Landwirtschaft, ähnliche Effekte erzielen lassen, wie in der konventionellen Landwirtschaft. Dem mag so sein, aber Einzelfälle ändern nichts am großen Bild, dass Ökolebensmittel so teuer sind dass sie sich nicht jeder leisten kann und die technischen Voraussetzungen fehlen um damit wirklich das Groß der Menschheit zu ernähren.

Löwensteins Vortrag war durchaus angenehm zu folgen und er war für einen Grünen erstaunlich differenziert. So sah er die Zukunft in einem Systemwettbewerb zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft und sah ein, dass es auch in der ökologischen Landwirtschaft Spezialisierung und Großbetriebe geben muss, um konkurrenzfähig zu sein.

Die entscheidende Lücke in der Argumentation war, dass aus ihr nicht hervor ging, warum nun ausgerechnet die Ökologische Landwirtschaft die Lösung sein sollte. Er hat bestenfalls gezeigt, dass eine Input-arme Landwirtschaft notwendig sein könnte. Die Ökologische Landwirtschaft aber umfasst einiges mehr zum Beispiel den Verzicht auf Gentechnik. Andererseits ist in der Ökologischen Landwirtschaft die Verwendung von Naturstoffen auch dann legitim, wenn sie die Umwelt belasten. Meines Erachtens erkennt man daran, dass es den Befürwortern der Ökologischen Landwirtschaft nicht um die aufgeworfenen Probleme geht, sondern dass sie vielmehr durch ein Unbehagen gegenüber der Technik motiviert werden. Erst wenn man dieses Motiv in Erwägung zieht, machen die Regeln der Ökologischen Landwirtschaft Sinn. Die vielen Lücken in Löwensteins Argumentation waren also eine Folge davon, dass er nach den Prinzip agierte, ich habe eine Lösung jetzt suche ich mir ein Problem, um die Menschen davon zu überzeugen.

Der Interessante Teil des Abends begann nach dem eigentlichen Vortrag, als das Publikum einige Fragen an den Vortragenden stellen konnte. Wie bei so einem Vortrag nicht anders zu erwarten, bestand das Publikum überwiegend, aus überzeugten Anhängern der ökologischen Landwirtschaft. Zwei Beiträge sind mir noch besonders in Erinnerung. Der erste warf die Frage auf, warum es immer noch Widerstand gegen die Ökologische Landwirtschaft gibt, wenn doch die Fakten eindeutig für sie sprächen. Die Vermutung ging schnell dahin, dass es Wirtschaftsinteressen seinen, die die Politik entsprechend steuern. (Das war nicht der einzige Redebeitrag der in diese Richtung ging.) Die Wortmeldung fand ich aus psychologischer Hinsicht interessant. Die dargelegten Fakten, waren alles andere als eindeutig, sonder ließen einen weiten Raum für unterschiedliche Interpretationen. Aber statt zu akzeptieren, dass man mit der eigenen Meinung in der Minderheit ist, wurde versucht finstere Mächte dafür verantwortlich zu machen. Dabei ist es viel wahrscheinlicher, dass die konventionelle Landwirtschaft dominiert, weil sie eher den Interessen der Konsumenten entspricht. Natürlich spielt Lobbyismus in vielen Fällen tatsächlich eine Rolle, er gibt aber nicht den Ausschlag. Interessant finde ich, wie Technologiefeindlichkeit und die Ansicht, dass die Welt von wenigen Großkonzernen gesteuert wird oft Hand in Hand geht und die eine Sichtweise als „Beweis“ für die andere herhalten muss.

Der zweite Wortbeitrag stammt von einer Schülerin, die berichtet, dass eines Tages ihre Mutter völlig aufgelöst zur ihr kam und entsetzt darüber war, dass bald eine gentechnisch veränderte Maissorte zugelassen werden würde und sie stellte die Frage, wie man eine Change gegen einen großen und mächtigen Konzern wie Monsanto haben könne. Aus meiner Sicht ist die Angst vor Gentechnik völlig irrational, noch nie wurde ein Schaden durch Gentechnik verursacht und das ist auch kein Wunder, weil technisch gesehen bei der Gentechnik nicht viel anderes passiert, als in der Natur oder in der Züchtung sowieso viele tausendmal so oft geschieht. Für mich war der Beitrag ein Beispiel dafür, dass technikfeindliche Propaganda Schäden verursacht, indem sie die Menschen in unbegründete Schrecken versetzt. Der zweite Teil des Beitrags, war ein gutes Beispiel dafür, wie leicht man die Menschen dazu bringen kann etwas zu hassen, wenn man sie dazu bringt Angst vor etwas zu haben. Es ist sicher kein Zufall, das Saatgutfirmen und ihre Mitarbeiter immer wieder Opfer von Verbrechen werden. Die versammelte Runde war sichtlich stolz Europa gentechnikfrei gehalten zu haben, aber man muss bedenken dass man es mit den selben Mitteln geschafft haben, mit denen Rechtsradikale Städte ausländerfrei halten.


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