Archiv für die Kategorie ‘Konservativismus’

Manipulative Charaktere – fünf, Der Charismatiker

November 4, 2009

Der Charismatiker ist die Mutter aller manipulativen Persönlichkeiten. Eine Person hat Charisma, wenn sie durch ihre Ausstrahlung viele Menschen für sich gewinnt. Dies gelingt ihr und darin liegt das Manipulative, indem sie das Gefühl weckt ihr gehorchen zu müssen. Es gehört wohl zu unserem biologischen Erbe, dass zu der Bandbreite möglicher Empfindungen auch ein solches Gefühl gehört. Aus einer evolutionären Perspektive macht es durchaus Sinn, dass es einen Mechanismus gibt, der dafür sorgt, dass  wir in der Kindheit unseren Eltern gehorchen oder dass eine Gruppe von Menschen schnell handeln kann, weil klar ist wer das Sagen hat. Wahrscheinlich werden die meisten Leser diesen Impuls zu Gehorchen kennen.

Wenn es einen Impuls zu Gehorchen gibt, muss es auch etwas geben, das ihn auslöst. Dieses etwas ist die Persönlichkeit des Charismatikers oder besser die Art wie der Charismatiker auf andere wirkt. Meines Erachtens sind es folgende drei Eigenschaften die wenn sie zusammen auftreten den Impuls zu Gehorchen auslösen: Ein Charismatiker muss wohlwollend erscheinen, als kompetent wirken und autoritär sein. Als autoritär bezeichne ich jemanden, dessen Missfallen andere vermeiden wollen. Das erreicht der Charismatiker indem er jedes Mal, wenn jemand gegen seine Wünsche handelt, eine sofortige und starke Reaktion zeigt. In diesem Sinne sind Zicken autoritär. Anders als bei einer Zicke wird das autoritäre Verhalten des Charismatikers als positiv wahrgenommen, weil es von Wohlwollen und Kompetenz flankiert wird.

Es gibt eine Charakter in „Pulp Fiction“ der recht gut veranschaulicht, was ich mir unter einen Charismatiker vorstelle, Winson Wolf, der Cleaner der den Auftragsmördern Jules und Vincent dabei hilft, eine ungeplante Leiche (Marvin) zu beseitigen. Winson Wolf gelinkt es schnell eine klare Rolleneinteilung zu etablieren, er bestimmt und die anderen gehorchen.  Während Jules und sein Freund, dem das Haus gehört in dem die Scene spielt, sich Wolf freiwillig unterordnen, leistet Vincent zunächst Widerstand. Er besteht darauf, dass Wolf zu ihm bitte sagt und ist andernfalls nicht bereit ihm Folge zu leisten. Wolf kann nicht sofort Vincents Forderung nachkommen, da das seine Autorität untergraben würde. Er macht also erst viele Worte um darzustellen warum Vincents Bestehen auf ein „Bitte“ deplatziert ist, um ihm dann in leicht übertriebener Form nachzukommen. Diese nicht-aggressive Weise ist typisch dafür wie Charismatiker mit solchen Situationen umgehen.

Das Wesen eine Charismatikers bringt es mit sich einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Tatsächlich kann jedoch die Kombination von Charaktereigenschaften, die einem Charisma verleiht, eine gefährliche Mischung sein. Kompetent erscheinen heißt zunächst, keine Selbstzweifel zu haben; autoritär zu sein, keinen Willen neben sich zu dulden. Wer schon einmal mit einem Charismatiker zusammen arbeiten musste weiß, dass das ein zweifelhaftes Vergnügen ist. Einerseits kann ein Charismatiker tatsächlich viel bewegen, sie bringen viel Energie und Initiative mit, andererseits ist es extrem schwer solche Menschen dazu zu veranlassen Kurskorrekturen vorzunehmen.

Wenn sich ein Charismatiker und die ihm hörigen Personen von der Außenwelt isolieren kann das eine extrem gefährliche Dynamik auslösen. Dem Charismatiker fehlt die Korrektur durch einen Widerspruch und beginnt seinen Willen mit der Realität zu verwechseln. Schließlich versucht er sich zur ultimativen Autorität aufzuschwingen, dem Herr über Leben und Tod. Die Omu-Sekte trug das Bedürfnis Tode zu veranlassen nach außen, bei den Sonnentempler waren die eigenen Sektenmitglieder die Opfer.

Für die konservative Weltanschauung haben Charismatiker eine besondere Bedeutung. Zu der konservativen Überzeugung gehört der Glaube, dass gewöhnliche Menschen Ordnungen brauchen, um ihr Leben zu bewältigen, die sie selbst nicht schaffen können. Quellen für die Ordnungen sind zum einen die Tradition oder in manchen Spielarten des Konservativismus Führungspersönlichkeiten, die natürliche Elite und seltener die Stifter der Ordnungen. Es sei daran erinnert das der ideale Patriarch die Eigenschaften des Charismatikers verkörpert: Wohlwollen, Autorität und Kompetenz. Geht man über die konservative Anschauung hinaus trifft man auf den Standpunkt, dass die Unterordnung unter eine wohlwollende, autoritäre und kompetente Macht ein Ordnungsprinzip ist, das die gesamte Gesellschaft durchdringen soll. Am deutlichsten wird das wahrscheinlich bei der konservativen Revolution in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Gegen diese Vorstellung stehen einige Einwende: Erstens kann man erst dann beurteilen, ob eine Macht wirklich wohlwollend und kompetent ist, wenn man ihrer Führung nicht mehr bedarf. Auch die Mitglider der Omu-Sekte und der Sonnentempler wahren der Meinung, dass ihre Anführer wohlwollend und kompetent waren. Ein Charismatiker kann einem weder das eigene Denken noch eine eigene Entwicklung abnehmen. Dazu kommt das die Eigenschaften des Charismatikers entgegen dem Anschein nicht mit geistiger und moralischer Reife korrelieren müssen. Zweitens und bedeutender ist, dass das Führerprinzip auch in einer kleinen Gruppe eine Anmaßung von Wissen bedeutet. Was eine Führungspersönlichkeit als gut erkannt hat, muss für die Situation eines Hörigen nicht angemessen sein.

Wenn der Impuls zu Gehorchen in uns verankert ist, ist man dann einem Charismatiker nicht hilflos ausgeliefert? Zum Glück nicht, denn alle Instinkte des Menschen sind in einem Ausmaß verkümmert, das es erlaubt sich über solche Impulse hinweg zu setzten und sie mit geringem Aufwand zu verdrängen. Auch das ist aus evolutionärer Sicht plausibel, Männer mit den Eigenschaften eines Charismatikers sind für Frauen sexy (auf ihre besondere Weise auch Frauen für Männer). Daher ist es sinnvoll, dass man dem Impuls zu Gehorchen widerstehen kann, um selbst diese Eigenschaften auszubilden. Man kann wegen der Tatsache, dass Parteien mit Charismatikern an der Spitzte überproportional häufig von Frauen gewählt werden, spekulieren, dass solche Impulse bei Männern stärker verkümmert sind als bei Frauen. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass Männer als rationaler als Frauen gelten.

Noch ein Zweites hilft das die Gesellschaft nicht in von vereinzelten Charismatikern geführte Gruppen zerfällt, gute Umgangsformen. Höflichkeit und die mit ihr verbundenen Tugenden wie Bescheidenheit und das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse verhindert, dass sich die Eigenschaften des Charismatikers entfalten können und das mit bewundernswerter Präzision. Durch Höflichkeit wird vermieden, dass ein Charismatiker sein Missfallen gegenüber abweichendem Verhalten zum Ausdruckbringen kann. Ein Charismatiker kann demgemäß niemals höflich sein. Daher ist es im „Pulp Fiction“-Beispiel sehr treffend, dass sich Vincents Widerstand an der Bitte nach Höflichkeit festmacht. Damit der Mangel an Höflichkeit nicht zu negativen Reaktionen führt, ist es üblich das Charismatiker mit ihrem besonderen Stil oder durch das Erwecken von Sympathie den Mangel überspielen.

In einer Gesellschaft in der der Impuls zur Unterordnung nicht durch gute Umgangsformen gemildert wäre, wurde es unweigerlich zu Spannungen zwischen verschiedenen Charismatikern und ihren Anhängern kommen. Sollten die hier dargestellten Spekulationen zutreffen, dann ist Höflichkeit eine Spontane Ordnung um mit diesem Problem, das in unserem biologischem Erbe verankert ist, fertig zu werden. Die Höflichkeit ermöglicht dem Einzelnen ein größeres Maß an Unabhängigkeit,  ich halte sie daher für eine zutiefst liberale Tugend.

Ein Hort voll Irrtümern

Juni 25, 2009

Nachdem ich von CK auf einen von Manfreds Artikeln aufmerksam gemacht wurde, habe ich heute endlich die Zeit gefunden mich mit Manfreds Auseinandersetzung mit dem Liberalismus zu beschäftigen. CK hat dazu schon sehr viel Lesenswertes geschrieben, hinter dem ich zu 100% stehe (wenn man den Seitenhieb auf den Anarchismus überliest) und das schon andernorts auf Aufmerksamkeit gestoßen ist.

Ich fühle mich genötigt noch mal in die gleiche Kerbe zu hauen, weil der Artikel die Möglichkeit bietet das Scheitern der Konservativen Denkweise zu demonstrieren. Er beruht auf dem Kernvorwurf an die Linke, zu der Manfred auch die Liberalen zählt, dass sie wegen ihrer Ideologie nicht bereit sind bestimmte Realitäten anzuerkennen. In diesem Beitrag will ich zeigen, dass auch die konservative Position nicht davor gefeit ist.

Der erste Ansatzpunkt dazu liefert bereits die Zusammenfassung konservativer Vorstellungen, die Manfred seiner eigentlichen Kritik des Liberalismus Vorstellungen vorausschickt. Betrachten wir den Kern seiner Argumentation, die Beobachtungen, „dass es in allen Gesellschaften zu allen Zeiten (wenn und sofern sie sich nicht im Prozess des Zerfalls befanden) so etwas wie Religion gab, dass Familien- und Clansolidarität als Tugenden galten, dass Patriotismus (bzw. äquivalent die Loyalität gegenüber politisch definierten Großgruppen größer als die Familie, aber kleiner als die Menschheit) hochgeschätzt wurden“, aus der Manfred folgert, dass dies die Gesellschaft stützenden Strukturen sind.

Hierzu zwei Einwände: Erstens zeigt die Beobachtung nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen Zerfall und dem Verlust der genannten Werte gibt. Dazu müsste Manfred zeigen, dass Gesellschaften ohne diese Werte tatsächlich häufiger zerfallen als andere. Er nennt jedoch noch nicht einmal ein Fallbeispiel, das zeigt wie eine Gesellschaft kollabiert nachdem ein Werteverlust eingetreten ist. Das von anderen Konservativen oft genannte Beispiel Untergang des antiken Roms kann nicht als Ersatz herhalten, denn die These, dass der auf Dekadenz zurückzuführen sei, ist unter Historikern mehr als umstritten[1].

Im Gegensatz dazu fallen mir leicht Zivilisationen ein die aus wirtschaftlichen Gründen untergegangen sind. Die Sowjetunion beispielsweise. Auch die Kultur auf der Osterinsel ist sicherlich nicht kollabiert, weil die Bevölkerung sich von ihrer Moaireligion abwand, um das Argument auf eine zynische Spitze zu treiben. Neben Untergang wegen der Wirtschaft, gibt es sicherlich auch welche aufgrund militärischer Niederlagen. Hier könnte man Dekadenz vermuten, militärische Niederlagen scheinen aber eher dann die Folge zu sein, wenn eine Kultur technische und organisatorische Innovationen von Feinden nicht übernehmen kann.

Zweitens muss man bedenken dass Abweichung von den Werten Familie und Religion erst seit 300 Jahren, denkbar sind. Davor war praktisch jede Weltdeutung religiös. Als Ausnahme könnten die antiken Griechen herhalten, die einen rationalistischen Zugang zur Welt hatten. Die griechische Kultur konnte diesen Atheismus offenbar überleben. Abweichungen von der Familie sind erst denkbar wenn Individuen ausreichend wirtschaftliche Sicherheit haben, um nicht auf die Familie angewiesen zu sein. Erst seit 200 Jahren haben wir dazu den nötigen Wohlstand. Unter diesen Umständen ist die Beobachtung, dass jede funktionierende Gesellschaft bestimmte Werte innehat, trivial.

Die Historie als Beleg für eine Konservative Weltanschauung zu nehmen, ist also höchstens das Ergebnis selektiver Wahrnehmung, ein Ergebnis der konservativen Haltung das Geistige über das Materielle zu stellen und in der Folge das Materielle aus dem Blick zu verlieren[2].

Manfred verwendet die konservativen Basics um sich von vornherein gegen Kritik zu immunisieren. „Wer keine Erklärung dafür anbieten kann, warum unsere Gesellschaft nicht in ihre Bestandteile zerfällt, nicht so aussieht wie während des Dreißigjährigen Krieges, …, kann nicht verstehen, was ich hier schreibe!“ (Hervorhebungen im Original)  Ein solches Wissen liegt natürlich weit hinter den menschlichen Möglichkeiten. Wir können nur ahnen durch was die Gesellschaft bedingt wird. Jedem, der nicht die konservative Lösung des Problems übernimmt und das Funktionieren der Gesellschaft als gegeben annimmt, kann vorgeworfen werden das Problem zu ignorieren. Laut Manfred ist genau das ein Kenzeichen für Linke Ideologie.  Zustimmung wurde zur Diskussionsvoraussetzung, denn linken Ideologen will Manfred kein Forum bieten. Wie eine solche Immunisierung in die Praxis umgesetzt wird, zeigen die Erfahrungen Karstens und Raysons, die bereits nach wenigen Kommentaren verbannt wurden[3].

Ich will meine Leser nicht dumm sterben lassen und eine Lösung für das konservative Grundproblem anbieten: In einem anderen Beitrag sieht Manfred die Grundlage von Gesellschaft in Verhalten, das einem keine persönliche Vorteile bringt und sich nur auszahlt weil sich alle anderen gleichartig verhalten. Die Frage warum sich Menschen dennoch solidarisch zeigen, beantwortet Manfred mit der Religion, die solches Verhalten aus nicht egoistischen Gründen verlangt. Die Möglichkeit die Spieltheorie naheliegt, das das eigene Verhalten andere zu Kooperation veranlasst, verwirft Manfred, da das in dem Maßstab nicht funktionieren könne braut er sich mit spieltheoretischen Berechnungen nicht aufzuhalten. Braucht er auch nicht, andere haben diese Berechnungen längst durchgeführt. Das Ergebnis ist das folgende: Individuen die der Tit vor Tat-Taktik folgen können opportunistische Individuen verdrängen. Dabei entsteht eine Zone kooperativen Verhaltens, in der sich auch rein Kooperative Taktiken halten können, wird der Anteil an rein kooperativen Individuen in einer solchen Zone zu hoch, wird sie gegenüber Opportunisten wieder anfällig und kann zusammenbrechen. Für das Funktionieren einer Gesellschaft ist also die Möglichkeit Fehlverhalten durch Nichtkooperation zu sanktionieren ausschlaggebend. Ironischer Weise versuchen gerade die von Konservativen hochgehaltenen Institutionen, Christentum und Sozialsysteme, diese Sanktionsmöglichkeiten auszuhebeln. Deswegen wird das Christentum auch so selten 1:1 umgesetzt. Die Gesellschaftliche Eigendynamik ist stark genug um selbst das Christentum zu überleben. Inwiefern sich solcher Modelle auf die Wirklichkeit übertragen lassen ist natürlich fragwürdig, man kann jedoch als bleibendes Ergebnis betrachten, dass die beste Strategie im Gefangendilemma Kooperation bei gleichzeitiger Sanktion von Fehlverhalten ist und nicht ideologische Beeinflussung der Mitspieler. Und nein, wertelos zu sein ist kein Fehlverhalten im relevanten Sinn.

Dass es nicht der Ideologische Überbau einer Gesellschaft ist, der ihr Funktionieren bedingt, lässt sich schon daran sehen das diese These zu viel aussagt. Manfred verlangt sehr viel: „Und noch einmal für die, die schwer von Kapee sind: Es geht nicht um diese oder jene konkrete Gesellschaftsordnung, sondern um Gesellschaft überhaupt, im Unterschied und Gegensatz zum Hobbesschen bellum omnium contra omnes.“ Worunter ganz klar auch die vorgeschichtliche Horde zählt. Wenn die Gesellschaft von Werten abhängt, die die Individuen zu solidarischen Handeln bewegt, hätte die Menschheit nie die Zeit überlebt in der diese Werte noch nicht entwickelt waren.

Auf Grundlage der konservativen Theorie ordnet Manfred nun die Liberalen den Linken zu. Dazu spricht er klassischen Liberalen ab, eine geschlossene Weltanschauung zu sein (und übergeht damit Adem Smith, John Locke, die Freihandelsbewegungen, die Kämpfe um den Rechtsstaat und auch noch so einiges), um Liberalen mit geschlossener Weltanschauung zu unterstellen sie sein Linke, die den Kapitalismus nicht als hierarchische, ergo eine für Linke zu zerschlagene, Struktur begreifen. Aber es duchaus auf anderere Strukturen abgesehen haben. Auch das Liberale Programm münde in Totalitarismus, da die zerschlagenen Strukturen durch den Staat ersetzt werden müssten. Das sehe man den Strukturreformen des IWFs, die nur von Autokratien durchgesetzt werden konnten. Was wir daran sehen ist, dass Manfred keine Ahnung hat über was er schreibt. Liberale wollen Strukturen­­ Manfred nennt Völker, Nationen, Familien, Sittennicht zerschlagen, in dem Sinn, dass sie Zwang zu ihrer Vernichtung befürworten. Für Manfred ist zerschlagen jedoch schon, wenn man es untersagt Zwang zum Erhalt der Strukturen einzusetzen. Ob das zum Zerschlagen schon ausreicht dürfte fraglich sein, solange die Strukturen mit den Zielen der Individuen vereinbar sind. Genau das sollte man von gesellschaftserhaltenen Strukturen aber erwarten können. Strukturen, die unter freien Bedingungen nicht weiterbestehen können, sind vermutlich nicht mehr gesellschaftserhaltend und sollten nicht künstlich stabilisiert werden. Den Grund zu erklären würde den Rahmen dieses schon viel zu langen Beitrags sprengen, ich komme an anderer Stelle darauf zurück.

Zu den Strukturreformen ist anzumerken, dass diese genau dann implementiert werden, wenn sich ein Land in einer Krise befindet, in deren Folge der Lebensstandard sinkt. Der IWF gibt in solchen Situationen Kredit, um die Stabilität des weltweiten Finanzsystems zu gewährleisten. Die Konditionalitäten dienen dazu langfristig Krisen zu vermeiden und Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Oberflächlich wirkt das dann so als hätte die Politik des IWFs verursacht, dass der Lebensstandard sinkt[4]. Das die Strukturreformen mit der Staatsform in Verbindung steht ist mir bisher unbekannt; vermutlich reproduziert Manfred hier linke Propaganda oder wirft sie mit dem Pinochetregime durcheinander. Auch verwechselt er totalitär und autoritär, das eine bezeichnet eine Regierungsform die versucht die Untertanen zu gestalten, das andere eine die bei der Entscheidungsfindung die Untertanen nicht konsultiert.

Manfred folgert daraus, dass Liberale keine Konservativen sind (wörtlich: von falschen empirischen Prämissen ausgehen), dass sie den Beweis ihrer Richtigkeit in die Zukunft verlagern. Die gewaltigen Erfolge des Liberalismus den Rechtsstaat, Freihandel, Überwinden das Merkantilismus usw. liegen also alle in der Zukunft, interessant.

Als Beleg dafür, dass er den Liberalismus den Linken zuordnet, dient Manfred das Menschenbild das er als positiv empfindet. Als positiv kann das liberale Menschenbild nur von einem kollektivistischen Standpunkt aus wirken. Der Kern des Liberalismus ist, dass das Handeln eines Individuum zu aller erst das eigene Ergehen beeinflusst und das das Ergehen im Groben und Ganzen eine Folge des eigenen Handelns ist. Ein Scheitern ist möglich aber es bleibt ein individuelles Scheitern. Unter der kollektivistischen Brille ist es jedoch nicht möglich eine Aussage zu machen die nicht für alle Menschen in gleicher Weise gilt. Aus dem Anerkennen der Eigenverantwortung wird ein nur staatlicher Zwang hindert die Menschen daran ihren notwendig eintretenden  Erfolg zu ernten, womit die Utopie erreicht wäre.

Den letzten Teil seines Artikels widmet Manfred dem Versuch zu belegen, dass Liberale andere danach beurteilen, ob ihre Meinung ins linke Weltbild passt.  Er führt Zitate an, in denen PI als rechtsradikal diffamiert würden. Da ich PI nicht lese nehme ich das mal so hin wie Manfred es beschreibt, bis auf eine Ausnahme. Gehen wir davon aus das sich die Öffentlichen Vertreter des Liberalismus vor den Linken Karren spannen lassen, der Frage inwieweit dieser Linksliberalismus für den Liberalismus repräsentativ ist stellt sich Manfred nicht.  Selbst wenn sie die Mehrheit aller Liberalen stellen sie verhalten sich zum eigentlichen Liberalismus, wie sich die CDU zum eigentlichen Konservativismus verhält. D.h. was von dort kommt, ist erst durch den Filter linker Hegemonie gegangen.

Übel nehme ich Manfred das missbräuchliche Zitieren von C.K. Die Aussage: „Sicherlich kann man sich da ideologisch irgendwas zusammenbasteln (bspw. Rassenunterschiede), was aber wohl nur hinken kann und somit macht man sich der Dummheit schuldig. Jemand, der so argumentiert, hat verdient, dass Andere es genau gleich handhaben und erstmal ihn über den Haufen ballern oder einsperren.“ Bezog sich in keinster Weise auf PI, sondern auf Rassismus im Allgemeinen. Redlichkeit sieht anders aus.

Nicht eingegangen bin ich auf jene liberalen Entwürfe die der Ansicht entsprechen, das Geistige sei ausschlaggebend für den Bestand der Gesellschaft. Hier ist an erster Stelle Hayek zu nennen, auch die Paxxis haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt.

Fußnoten:

[1] Genauer sie wird als falsifiziert betrachtet, weil die Dekadenz schon in Roms Blütezeit festzustellen ist. Siehe auch die Wiki.

[2] Ähnliches ist man von den Gründen, den Konservativen des linken Spektrums, gewöhnt.

[3] Der zweiten Schritt der Immunisierung besteht darin Andersdenke für so gefährlich zu halten, dass man ihnen gegenüber keine Rücksicht nehmen darf.

[4] Die Beschreibung paraphrasiert Paul Collier: die unterste Milliarde, Orginaltitel: The Bottom Billion. Why the poorst countries are failing. Oxford Univerity Press, New York 2007. S.61f.

Rechtsvorstellungen in den Weltanschauungen – Zwei, die Konservativen

Mai 11, 2009

Nachdem wir uns im letzten Teil dieser Serie mit den Linken beschäftigt haben, wenden wir uns nun den Konservativen zu. Von allen Weltanschauungen haben die Konservativen das positivste Verhältnis zum Staat. Das zentrale Motiv des Konservativismus ist es, die Strukturen zu bewahren, die als notwendig für die Gesellschaft angesehen werden. Da der Staat naheliegender Weise als solche Struktur aufgefasst wird, ist für es für den Konservativen ein Zweck an sich, die Autorität des Staates aufrechtzuerhalten (zumindest unter normalen Voraussetzungen dazu später mehr). Sie halten es also für notwendig, das Gesetzte exekutiert werden, weil es Gesetzt sind, unabhängig von den durch Rechtsverletzung oder -durchsetzung betroffenen Rechtsgütern. Damit ist der Rechtspositivismus dem Konservativismus inhärent. Lässt man einen Spielraum für zivilen Ungehorsam oder einen taktischen Verzicht auf die Rechtsdurchsetzung  zu, so entfernt man sich von der konservativen Position.

Der Rechtspositivismus recht jedoch nicht aus, um zu bestimmen welche Gesetze von Konservativen gewünscht werden. Die konservative Position geht soweit, dem Staat auch eine Führungsrolle zuzugestehen, in dem Sinne das er die weitern Strukturen stützt, die für den Erhalt der Gesellschaft als notwendig erachtet werden. Er soll zu Gunsten solcher Strukturen erzieherisch auf die Bevölkerung einwirken. Siehe dazu etwa ein Zitat aus einen Lesebrief der heutigen FAZ von Prof. Dr. Volker Boehme-Neßler: „Wer, wenn nicht der Staat, sollte denn Werte definieren und vorgeben, die den ethischen Minimalkonsens einer pluralistischen und fragmentierten Gesellschaft enthalten? Und wie soll eine Gesellschaft funktionieren, wenn sie nicht durch einen solchen Grundkonsens zusammengehalten wird?“

Interessant an der konservativen Position ist, dass sie recht einfach mit der Völkerrechtlichen Praxis in Einklang zu bringen ist, was dem Anspruch der Konservativen Realpolitik zu betreiben entspricht. Der konservativen Vorstellung zu Folge ist es die durch Erziehung erworbene Kultur, die das Funktionieren der Gesellschaft ermöglicht. Der Staat kann die Aufgabe, diese Kultur aufrecht zu erhalten, nur dann nachkommen, wenn die Gesetzgebung mit der Kultur übereinstimmt. Offenbar wird es für ausreichend gehalten, wenn die Kultur, der an der Gesetzgebung beteiligten Personen, der der regierten Bevölkerung entspricht. Wird die Gesetzgebung von Ausländern beeinflusst, spricht man von Fremdherrschaft. (Nationalisten steigern dieses Verständnis, indem sie auch kulturelle Beeinflussung als Fremdherrschaft wahrnehmen.)

Auch das Konzept des Sezessionsverbots lässt sich aus konservativen Vorstellungen erklären: Der Versuch einer Sezession ist ein Angriff, der die Existenz des Staates gefährdet und der daher zu unterbinden ist, damit der Staat seiner Kultur erhaltenden Funktion weiterhin nachkommen kann.

Ein drittes Konzept lässt sich erklären, nämlich die Ansicht zwischen Individuen, die verschiedenen Kulturen angehören, gäbe es kein Recht, das sich nicht aus den Verträgen der entsprechenden Staaten speist. (Das läuft in der Praxis auf das Territorialprinzip hinaus.) Denn wenn die Regeln des Zusammenlebens durch die Kultur vermittelt werden, gibt es keine Regeln für das Aufeinandertreffen von Angehörigen verschiedener Kulturen.

Eine Kritik des konservativen Rechtsverständnisses ergibt sich aus dem nächsten Teil dieser Serie.

Wider den Konservativismus

Februar 15, 2009

In einem der letzten Beiträge habe ich die Möglichkeit eines Wandels der Politischen Kultur untersucht. Die Möglichkeit diesen Wandels macht es notwendig, sich mit anderen Weltanschauungen zu beschäftigen, die von diesem Wandel ebenfalls profitieren können. In diesem Beitrag soll die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Konservativismus geführt werden.

Wichtig ist es zu festzuhalten, dass Konservativismus nicht einfach im Beharren auf dem Status quo besteht. Der Konservativismus ist nach eigenem Selbstverständnis die Weltanschauung derer, „die die Notwendigkeit von Strukturen erkennen, und die deshalb nicht bereit sind, vorhandene Strkturen zu opfern, ohne etwas Besseres vorweisen zu können.“ Dieses Verständnis wäre eine reine Leerformel, wenn es nicht mit ganz bestimmten Beurteilungen einhergehen würde, denn Linke nehmen für sich in Anspruch Besseres vorweisen zu können, während Liberale die Bewertung der Strukturen, dem Einzelnen überlassen. Diese Beurteilungen besteht zum ersten darin, dass Strukturen für instabil gehalten werden und zu verfallen drohen, wenn nicht Maßnahmen unternommen werden sie zu erhalten. Zum weiteren darin, dass es nicht möglich sei, mit Hilfe des Verstandes geeignete Strukturen zu finden, sondern man auf die vorgefundenen, in der Praxis bewährten zurückgreifen müsse. In diesem Punkt deckt sich die liberale Position mit der konservativen: Auch Liberale gehen davon aus, dass es unmöglich ist lebensfähige Strukturen auf dem Reisbrett zu entwerfen, da den Planern die dazu notwendigen Informationen nicht zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu Konservativen halten Liberale die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen sich Strukturen bilden können, für rational lösbar. Dieser Ansatz wird von Konservativen als Konstruktivismus missverstanden, die daher Liberale als Derivat der Linken einordnen.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Liberalen und Konservativen besteht in der Beurteilung des Fortschritts. Dieser wird von Liberalen als notwendig angesehen und begrüßt, da er zum einen Anpassungen an Veränderungen erst ermöglicht, zum anderen Hoffnung darauf verheißt, bestehende Probleme lösen zu können. Konservative können sich der Notwendigkeit von Anpassungen zwar nicht verschließen und gestehen in der Regel ein, dass überlieferte Strukturen dysfunktional werden können, bleiben ihn gegenüber jedoch skeptisch. Die wesentlichen Probleme würden von ihm nicht berührt, die mit ihm einhergehenden Veränderungen werden als Bedrohung wahrgenommen. Der Konservative tendiert statt zu einem linearen Geschichtsverständnis zu einem zyklischen.

Der Konservativismus erhebt den Anspruch, dass seine Ideen mit den historischen Erfahrungen übereinstimmen und verzichtet weitgehend auf Theoriebildung, die über eine Beschreibung des Gegebenen hinausgehen. Meines Erachtens führt dieser Theorieverzicht zu einer Blindheit bezüglich der Unzulänglichkeiten der Konservativen Position. Um das Gegebene beschreiben zu können ist auch der Konservativismus auf Begriffsbildung angewiesen, um dessen Komplexität zu reduzieren. In Prinzip ist es möglich die Reduktion auf eine Weise vorzunehmen, die Widersprüche zu konservativen Ideen eliminiert und somit die konservative Position gegen Kritik immunisiert.

Wegen dem Verzicht auf rationale Erklärung fehlen oft Methoden, um zu beurteilen, ob sich eine Institution überhaupt bewährt hat. Dies führt dazu, dass in einigen Fragen die konservative Position unbestimmt ist: Konservative können Demokratie und Nationalstaat sowohl ablehnend gegenüberstehen, als auch für unverzichtbar halten. Gewöhnlich gehen sie davon aus, dass der Nationalstaat sich gebildet hätte, um Schutz vor äußeren Bedrohungen zu gewährleisten. Dies jedoch ist fraglich, da die Status quo Bias eines Machtgefüges dazu führt, dass Kleinstaaten auf die Unterstützung von Großmächten zählen können, wenn sie von andern Großmächten bedroht werden. (Carl von Clausewitz, Vom Kriege sechstes Buch, sechstes Kapitel). Die Dynamik, die zur Bildung von Nationalstaaten geführt hat, ist auf die Tendenz zurückzuführen, dass im inneren Kampf Macht zunehmend auf zentrale Gebilde verlagert wird. Nachdem diese Tendenz die Nationalstaaten erzeugt hatte, widerholte sich der Prozess auf höherer Ebene, was zur Idee des Staatenbundes und eines vereinten Europas führte. Auf solche Überlegungen muss der Konservativismus aufgrund seines antirationalen Selbstverständnisses verzichten. (Was Konservative natürlich nicht hindert solche Argumente aus anderen Denkschulen zu entleihen.)

Eine Grundtendenz des Konservativismus ist es in aggregierten Begriffen, wie Kultur, Staat u.a., zu denken. Die Möglichkeit solche Aggregate auf ihre Bestanteile zu reduzieren wird nicht in Erwägung gezogen, wenn dies zur Beschreibung der Interaktionen zwischen ihnen nicht notwendig ist. Die Identifikation von Institutionen als bewährt, ist daher oft ein sehr viel Schwächeres Argument als es sich Konservative vorstellen. Der Begriff Ehe fasst sehr verschiedene Verhältnisse zusammen, die von dem Rechtsverhältnis über die sozialen Erwartungen bis hin zur Ausgestaltung des Zusammenlebens reicht. All diese Elemente haben sich im Lauf der Zeit stark verändert. Von der Ehe als bewährte Institution zu sprechen verdeckt jedoch diese Veränderungen, es ist nicht auszuschließen, dass durch die Veränderungen, das was sich bewährt hat, schon verlorengegangen ist.

Pluralismus wird als unnötiges Detail meist ausgeblendet. Konservative haben an Phänomene, die durch Pluralismus hervorgerufen werden, nur geringes Interesse. Sie betonen stattdessen das Ganze und das zum Teil soweit, dass sie diesem zubilligen selbst Träger von Rechten zu sein. Aus diesem Gedanken können die Verneinung des Parteienstaates und Sympathie für Sozialismus abgeleitet werden. Solches Denken befindet sich immer in Gegnerschaft zum Liberalismus, das Ganze ist immer eine Abstraktion ohne eigene Existenz, dem als solche auch keine Rechte zu Teil werden können. Zudem ist es ohne Zugang zum Pluralismus nicht möglich den Wert der Freiheit zu erkennen.

Die konservative Einschätzung, dass Strukturen instabil sind, geht mit der Auffassung einher, die es dem Einzelnen nicht zutraut funktionierende Strukturen aufzubauen. Ganz anders der liberale Ansatz, hier werden Strukturen immer durch Einzelne gebildet. Sie müssen jedes Mal aufs Neue beweisen, dass sie den Bedürfnissen des Einzelnen angemessen sind. Die Einzelnen werden dabei in erster Linie die eigenen Erfahrungen zurate ziehen, dann erst Tradition und rationale Überlegungen. Aus dieser Betrachtungsweise heraus wird die Stabilität von Institutionen weit großer eingeschätzt als von Konservativen, die anonymen Kräfte der Selbstorganisation verleihen funktionierenden Institutionen Dauer. Konservative glauben nicht an Selbstorganisation, daher sind es für sie ein Korsett von Maßnahmen, von gesellschaftlicher Ächtung bis zum Strafrecht, das den Institutionen die Stabilität gewährt. Aus liberaler Sicht ist ein solches Korsett eine Anmaßung von Wissen. Der Einzelne ist besser als alle anderen dazu geeignet zu entscheiden, ob die Institutionen, den er sich unterwirft, seiner Situation noch angemessen sind und muss daher die Fähigkeit haben sich Institutionen zu verweigern, für die dies verneint wird. Maßnahmen, die Strukturen künstlich aufrecht zu erhalten, würden die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft reduzieren. Für Fragen bei den nicht zu erwarten ist das funktionierende Institutionen in annehmbarer Zeit bilden, übernehmen Liberale die konservative Denkweise, das betrifft vor allem den Rechtsstaat. Mischpositionen zwischen beiden Weltanschauungen sind möglich und existieren in vielen Varianten.

Im Konservativen Denken werden funktionierende Institutionen, nicht durch Selbstorganisation geschaffen, sondern zu allererst von Ausnahepersönlichkeiten oder einer natürlichen Elite. Der Glaube an eine natürliche Elite ist oft mit der Vorstellung verbunden, dass deren Herrschaft institutionell abgesichert werden muss. Daraus ergibt sich eine Präferenz für autoritäre Staatsmodele und gegen begrenzte Herrschaft. Die liberale Kritik an dem Konzept der natürlichen Elite besteht in der Feststellung, dass sich eine natürliche Elite beweisen muss ohne durch besondere Institutionen abgesichert ist. Die Kritik an unbegrenzter Herrschaft liegt auf der Hand.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die Konservative Position eine Vielzahl von Fallstricken aufweist, die tendenziell zu einer gefährlichen Agenda führen können. Der Liberalismus kann die Argumente zur Verfügung stellen, die zum Vermeiden dieser Fallen notwendig sind. Ob dies von konservativer Seite angenommen wird hängt nicht zu letzt davon ab, ob es möglich ist die Argumente in einer Form vorzubringen, die mit dem konservativen Denken kompatibel ist.

Krieg, die offene Flanke des Libertarismus

Januar 29, 2009

Die komplexeste Form der Gewalt ist der Krieg. Carl von Clausewitz definierte ihn als Kampf, um den eigenen Willen durchzusetzen. Gemeint ist der Willen von Staaten.Doch das eigentümlich des Kriegs ist, das er das Recht außer Kraft setzten zu scheint. Man denke an die durch Bombardierung unschuldig zu Tode Gekommenen, deren Schicksal keine Strafverfolgung der Verantwortlichen nach sich zieht. Der Trick, der das Töten Unschuldiger rechtfertigt, ist der Kollektivismus. Ein feindseliger Akt ist keine Handlung des Individuums A gegen B sondern des Volks Alpha gegen Volk Beta. Praktisch sieht dies so, aus das innerhalb von Alpha das von A begangene Unrecht nicht geahndet wird, wenn dieses dazu dient Gewaltakte (ungeachtet dessen ob sie recht- oder unrechtmäßig sind) aus Beta auf Menschen und ihr Eigentum in Alpha zu unterbinden. Das eine Handlung von A gegen B stattfand wird als irrelevant betrachtet, sie geht in den aggregierten Handlungen aus Alpha in Beta hinein unter, so dass man vereinfachend davon spricht, dass Alpha und Beta selbst die Handelnden und Leidende sind.

Aus libertärer Sicht ist es natürlich Unsinn sich Völker als Subjekte vorzustellen. Ereignisse müssen mittels des methodischen Individualismus analysiert und entsprechend beurteilt werden. Diese Vorstellung kommt dem intuitiven Rechtsempfinden der meisten Menschen entgegen, die eben nicht bereit sind hinzunehmen, dass Unschuldigen Schaden zugefügt wird. Das intuitive Rechtsempfinden lässt sich nicht einfach als romantische Vorstellung abtun. Denn es war wirkmächtig und hat z.B. die Entwicklung des humanistischen Völkerrechts weitergetrieben. Eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist, wie die sinkende Toleranz gegenüber Kollateralschäden zeigt. Einen Abschluss wird sie wohl erst finden, wenn Krieg mit polizeilichen Mitteln geführt wird, wie es das libertäre Rechtsverständnis fordert. Doch spätestens hier geraten wir in einen Konflikt: Unter gleichstarken Parteien kann sich diejenige durchsetzen die schneller und rücksichtsloser agiert. Um es mit den Worten Clausewitz zu sagen:

Da der Gebrauch der physischen Gewalt in ihrem ganzen Umfange die Mitwirkung der Intelligenz auf keine Weise ausschließt, so muß der, welcher sich dieser Gewalt rücksichtslos, ohne Schonung des Blutes bedient, ein Übergewicht bekommen, wenn der Gegner es nicht tut. Dadurch gibt er dem anderen das Gesetz, und so steigern sich beide bis zum äußersten, ohne daß es andere Schranken gäbe als die der innewohnenden Gegengewichte.

Das Ziel schnell und rücksichtlos zu handeln, lässt sich nur verwirklichen, wenn wir die Komplexität unserer Wahrnehmung verringern. Der Methodischer Individualismus, auf dem unsere Rechtsauffassung beruht, steht dem entgegen. Wir sehen also dem Paradox gegenüber, dass es Situationen gibt, in denen die Verteidigung des Rechts nur gelingen kann, wenn man das Recht aufgibt.

Erkenntnistheorie in den Weltanschauungen

Januar 12, 2009

Nach vielen Auseinandersetzungen mit Menschen aus allen politischen Lagern, denke ich innerhalb dieser Lager bestimmte Gemeinsamkeiten ausmachen zu können. Eine der wichtigsten gemeinsamen Nennern der Anhänger einer bestimmten Weltanschauung ist ohne Zweifel, die Art und Weise wie der Wahrheitsgehalt einer Aussage ermittelt wird. Es geht in diesem Artikel also im die implizite Erkenntnistheorie, die mit einer Weltanschauung einhergeht.

Implizit ist diese Erkenntnistheorie daher, weil ich mich auf die Methode beziehe, mit der tatsächlich Argumente gewonnen werden und nicht auf die öffentlich gemachten Reflektionen der entsprechenden Anhänger, allein schon weil die meisten Kommentatoren ihre Erkenntnistheorie nicht reflektieren.

Am leichtesten fällt es die implizite Erkenntnistheorie der Linken zu identifizieren. Häufig werden Verweise auf ökonomisch Zusammenhänge mit der Behauptung beiseite gewischt, diese seien ein Produkt des kapitalistischen Systems und würden nur für diese Geltung besitzen. Interessant sind auch die Mittel, mit denen Andersdenkende als National Sozialisten identifiziert werden, die ohne das ausführen zu wollen schon formallogisch fehlerhaft sind. Der typische Linke lehnt also schon die Vorstellung ab, dass es in der Wirklichkeit festgelegte Strukturen gibt, die auf wissenschaftliche Weise erkannt werden können. Theorien über solche Strukturen seinen das Produkt der Sozialisation, des Klassenstandpunktes oder ein Mittel um eigene Interessen durchzusetzen. Dies ist die Position des Konstruktivismus, Begriffe entstehen diesem zufolge nicht als Abstraktionen der Wahrnehmungen, sondern die Wahrnehmung wird den Begriffen so angepasst, dass diese einen Sinn ergibt. Die Wahrnehmung könne somit nicht herangezogen werden, um Aussagen ihrer Adäquatheit nach zu beurteilen, alle Theorien seien gleichwertig.

Dieser Befund wirkt verblüffend haben Linke doch ihre eigenen Theorien über politische Zusammenhänge. Dieser Wiederspruch lässt sich lösen, wenn man davon ausgeht, dass linke Theorien nicht als Tatsachenbehauptung gemeint sind, sondern als Mittel der politischen Auseinandersetzung, etwas gilt als richtig, wenn es dem linken Programm nutzt, eine empirische Überprüfung ist nicht erwünscht. So ist z.B. die marxistische Arbeitswertlehre so formuliert, dass sich aus ihr keine Voraussagen über das wirtschaftliche Geschehen machen kann (die Krisentheorie wurde von Marx nie geschlossen formuliert, das Gesetz der fallenden Profitraten ist ein alleinstehendes Postulat, sie widersprechen meiner Aussage also auch nicht), jedoch folgt aus ihr die politische Forderung, dass Kapitaleinkommen eigentlich den Arbeitnehmern zustünden.

Da die Aussagen von Linken nicht als Tatsachenbehauptung gemein sind, sind direkte Angriffe gegen sie meist undankbar: Linke werden beliebig viele ad-hoc-Annahmen machen um sie zu stützen und selbst vor logischen Widersprüchen nicht halt machen. Dies ist die Ursache dafür, dass man oft den Eindruck hat Linke würden sich das analytische und differenzierte Denken abgewöhnen.

Anders verhält es sich mit dem Ansatz der Liberalen, sie bedienen sich in der Argumentation ökonomischer Modelle und deduktiven Schlüssen, die von allgemeinen Prinzipien gestützt werden, sowie historischen Beispielen. Sie gehen also davon aus, dass die Wirklichkeit Strukturen enthält, die der menschlichen Erkenntnis zugänglich sind, womit ihre implizite Erkenntnistheorie dem Realismus zuzuordnen ist. Liberale glauben Aussagen über die Welt machen zu können, die diese adäquat beschreibt, da sie sich jedoch bewusst sind, das sie nicht über alle relevanten Informationen verfügen, rechnen sie damit, das es zu Ereignissen kommt, die ihren Erwartungen widersprechen. Daher kann man weiter präzisieren, dass Liberale in der Regel hypothetische Realisten sind, die bereit sind ihr Urteil über die Welt zu revidieren. So fanden etwa der Keynesianismus und der Monetarismus ihren Niederschlag in der Entwicklung des Neoliberalismus. Daraus darf natürlich nicht gefolgert werden Liberale seinen in erster Linie Empiriker, in der Rechtsbegründung gehen sie fast ausschließlich von a priori Überlegungen aus, auch die Österreichische Schule legte wenig Wert auf empirische Fakten.

Die implizite Erkenntnistheorie der Konservativen abzuschätzen fällt am schwersten: Zum einen bewegt sich ihr Denken stark im Abstrakten, Begriffe wie Gott, Treue und Tradition spielen eine wichtige Rolle, auch das organische Staatsverständnis ist hier zu Hause, zum anderen bedient sich die konservative Argumentation primär ultraempirischer Disziplinen, wie Historie und positivem Recht. An wirtschaftlichen Fragen hat der typische Konservative kaum Interesse, meist hegt er antikapitalistische Ressentiments oder übernimmt liberale Positionen.

Die eigene Position findet der Konservative mittels empirischer Induktion: was heute richtig und geeignet ist das Leben zu bewältigen wird es auch morgen noch sein. Interessant ist hier das Fehlen theoretischer Hilfsbegriffe, wie sie beim Bilden wissenschaftlichen Hypothesen üblich sind, die der direkten Überprüfung nicht zugänglich sind. So wird aus der Nützlichkeit des Christentums, auf die der Zehn Gebote und spezieller des Tötungsverbots geschlossen und so etwa die Abtreibung verworfen, aber keine rechtstheoretischen Überlegungen dazu angestellt. Auch komplexe Konstrukte wie die Ehe oder der Staat werden nicht in ihren Bestanteilen analysiert.

Insgesamt zeichnet sich der Konservativismus durch eine Skepsis gegenüber theoretischer Überlegungen aus, hat aber keine Hemmungen sich abstrakter, komplexer Begriffe zu bedienen. Die plausibelste Erklärung dafür ist, dass sich der Konservative nicht bewusst ist, das diese Begriffe der Wahrnehmung nicht unmittelbar zugänglich ist, da z.B. das organische Staatsverständnis ihn davon abschirmen. Um die Sache zusätzlich zu komplizieren betrifft die Skepsis gegenüber dem über das Unmittelbare hinausgehende, nur die eigene Position, gegenüber politischen Gegnern bringen Konservative oft weitreichende theoretische Überlegungen an. Sie lassen sich am ehesten als radikale Empiriker beschreiben, auch wenn das das Außenverhältnis nicht richtig wiedergibt.

Nachtrag:

Aus den geschilderten Beobachtungen geht hervor, dass die Art und Weise wie die Anhänger der verschiedenen Weltanschauung Erkenntnisse gewinnen stark voneinander abweicht. Die Frage wie es dazu kommt muss ich offenlassen, fest steht jedoch, dass die jeweilige implizite Erkenntnistheorie dazu verwendet werden kann Informationen zu verwerfen, die nicht ins Weltbild passen. Dies macht den Versuch andere von seinen Ansichten zu überzeugen zu einer undankbaren Angelegenheit. Positiv ist aufgefallen, dass die liberale Art die Welt zu begreifen der wissenschaftlichen Methode und dem gesunden Menschenverstand am nächsten kommt. Dies darf nicht darüber hinweg täuschen, dass auch die großen liberalen Theoretiker häufiger Quasi-Transzendentalphilosophie betrieben, d.h. sie fragen, was die Bedingungen sind bestimmte Erfahrungen machen/auf betimmte Art handeln zu können und leiten daraus ihre Schlusse ab. (Die Österreicher und mit ihnen Rothbard und Hoppe gehen so vor.) In diesem Blog will ich dazu beitragen hier mehr Gleichgewicht zu schaffen und das empirische Fundament des Liberalismus stärker hervor treten zu lassen.