Gold oder Aktien?

Die weiterhin grassierende Eurokrise und die Politik der finanziellen Repression führen den Untertanen der EU zunehmend vor Augen, dass Tagesgeld und andere Bankprodukte nicht das Nonplusultra der Geldanlage sind. Immer mehr Menschen beginnen zu verstehen, dass das Finanzsystem inhärenten Risiken ausgesetzt ist und stehen nun vor dem Problem sich vor diesen Risiken zu schützen. Auf der Suche nach Alternativen spalten sich die Meinungen, die einen präferieren Gold, die anderen setzen auf Aktien.

Gold und Aktien sprechen Bedürfnisse an wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Gold war seit jeher das Anlagevehikel der Pessimisten. Auf der anderen Seite präferieren diejenigen Aktien, die mit Optimismus und ein gesundes Vertrauen in ihre Fähigkeiten gesegnet sind.

Gold erfüllt seine Funktion dadurch, dass es den Wertgegenstand darstellt, den man Vertrauen entgegenbringt, wenn man alle anderen Wertgegenstände misstraut. Das Vertrauen in das Gold bildet sich aus seiner langen Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel. Der Wert von Gold bildet sich selbstbezüglich: Ich halte Gold um Wert zu bewahren, weil ich davon ausgehe dass andere bereit sind mir das Gold abzunehmen, um damit Wert aufzubewahren. Das funktioniert erstaunlich gut, in einer Arbeitsteiligen Gesellschaft muss es etwas geben um Wert unabhängig vom jeweiligen Tauschprozess aufzubewahren. Es spricht einiges dafür, das Gold dafür am geeignetsten ist. Eine bestimmte Menge Gold ist ein handfester Gegenstand, der nicht im Laufe der Zeit verfällt und dessen Qualität eindeutig bestimmt werden kann (seine Reinheit). Aus diesem Grund kann man davon ausgehen, dass es immer Menschen gibt, die einem Gold als Wertaufbewahrungsmittel abnehmen.

Der Preis des Golds hängt davon ab, wieviel Wert in der Summe in Gold gelhalten werden soll. Wenn 100 Milliarden Euro in Gold angelegt werden und dafür 100 Millionen Unzen zur Verfügung stehen beträgt der Preis des Golds 1000 Euro pro Unze. Ein Angebot für Gold gibt es praktisch nicht, da Gold nur in kleinen Mengen verbraucht wird, übersteigt der Bestand des Goldes die Förderung bei weitem. Eine zusätzliche Nachfrage nach Gold muss dadurch ausgeglichen werden, das der Preis steigt, sodass einige Anleger mehr Wert in Gold halten als beabsichtigt, und sie einen Teil davon daraufhin an die zusätzliche Nachfrage abgeben.

Kritiker des Goldinvestments wenden vor allem zwei Argumente gegen das Gold ein: es hat keinen intrinsischen Wert, der Wert des Goldes entsteht allein aus der Wertschätzung die ihm entgegengebracht wird und Gold erzeugt keine Rendite.

Goldanleger sind oft auf der Suche nach einem „ehrlichen Investment“, das sein Wert unabhängig von den Umständen behält. Staatliches Geld wird aufgrund der Tatsache abgelehnt, dass sein Wert durch den Staat beliebig manipuliert werden kann. Der Staat nutzt dies um einen Geldschöpfungsgewinn zu erzielen, der zulasten der Geldbesitzer geht. Mithilfe von Gold kann man sich zwar vor diesen Manipulationen schützen, jedoch knüpfen sich an das Gold oft übersteigerte Erwartungen. Die massiven Schwankungen des realen Goldpreises werden ausgeblendet. Die Tatsache ignoriert, dass das Gold nachhaltig an Wert verliert, wenn es von anderen Wertaufbewahrungsmitteln verdrängt wird.

Wenn Gold keine neuen Anhänger findet oder diese ihr Goldinvestment ausweiten, steigt der Wert des Goldes nicht. Gold an sich ist nicht produktiv, wie wir es von anderen Anlagegegenständen wie Aktien, Schuldverschreibungen und Immobilien gewohnt sind. Wer in Gold investiert kann nicht erwarten, damit eine positive Rendite zu erzielen. Damit ist es ungeeignet bestimmte Anlage Ziele zu erreichen. Eine Strategie die sagt ich spare mir einen Betrag X an Gold an und lebe danach davon das ich diesen Betrag deinvestiere wird nicht aufgehen. Über diesen Umstand muss man sich bewusst sein, wenn man in Gold investiert.

Die Renditeabsicht kann es also nicht sein, die einem motiviert in Gold zu investieren. Die wichtigste Motivation dürfte das Misstrauen gegen alle anderen Arten von Investments sein. Im Fall einer schweren inflationären oder deflationären Wirtschaftskrise hat man tatsächlich die besten Chancen mit Hilfe von Gold sein Vermögen zu bewahren. Gold kann natürlich auch in spekulativer Absicht erworben werden, wenn man glaubt, dass die Wahrscheinlichkeit einer solchen Krise in naher Zukunft höher eingeschätzt wird. Die frühe Phase der nach 2007 anhaltenden Krise an, war eine Zeit, in der sich so eine Strategie angeboten hat.

Die Erfindung der Aktie muss der Versuch gewesen sein, das komplette Gegenteil von Gold zu konstruieren. Gold stellt einen statischen Wert dar, je statischer desto besser sind die Bedürfnisse der Goldanleger erfüllt. Aktien hingegen verbriefen einen Anteil der der dynamischen Wertschöpfung eines Unternehmens. Die Wertschöpfung eines Unternehmens ist selbst starken Schwankungen unterworfen. Im Laufe der Zeit wächst das Geschäft, neue Geschäftsfelder werden erschlossen, das wettbewerbliche Umfeld ändert sich und manche Geschäftskonzepte scheitern. Der intrinsische Wert einer Aktie entspricht dem abgezinsten Wert der zukünftigen Gewinne. Da niemand die zukünftigen Gewinne kennt, liegt auch der Wert der Aktie im Ungewissen. Wer in Aktien investieren will, muss sich über seine Methode sicher sein mit dieser Ungewissheit umzugehen.

Im Gegensatz zu Gold kann der Anleger in Aktien mit einer hohen Rendite rechnen. Aktien sind vermutlich der Anlagegegenstand mit der höchsten Rendite, der der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Der Preis für diese Rendite ist jedoch hoch: Der Aktienanleger weiß nicht mit welcher Rendite er langfristig rechnen kann und sein Vermögen kann in Tagesfrist dahinschmelzen. Er muss Wege finden die Ungewissheit zu begrenzen, dazu dienen Diversifizierung, Prognose und Analyse. Und er muss auf dem Moment vorbereitet sein, an dem sich die Ungewissheit von ihrer hässlichsten Seite zeigt. Aus diesem Grund benötigt es drei Charaktereigenschaften um erfolgreich in Aktien zu investieren: Disziplin, Bescheidenheit und Arroganz. Man braucht Disziplin um an der einmal gewählten Strategie auch dann festzuhalten, wenn seine Instinkte und Emotionen das Gegenteil fordern. Bescheidenheit ist erforderlich, um sich immer seiner Grenzen bewusst zu bleiben und nicht nach einer erfolgreichen Phase den Traumrenditen hinterher zu rennen. Zu guter Letzt ist auch eine Portion Arroganz von Nöten. Sie sorgt dafür, dass man an seinen Plänen und Strategien auch dann festhält, wenn man damit gegen die Masse schwimmen muss.

Die Tatsache, dass man nicht die langfristige Rendite einer Aktienanlage kennt, disqualifiziert sie auf den ersten Blick für eine langfristige Finanzplanung. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Frage die sich ein Aktienanleger in Bezug auf seine Finanzplanung stellt ist. Kann ich über den Zeitraum der nächsten X Jahre mit einer Rendite von Y rechnen. Hier ist die oben angesprochene Prognose erforderlich. Wenn er mit guten Gewissen einer Rendite Y gewählt hat, die wie er glaubt von seiner tatsächlichen Anlage geschlagen wird, dann verwendet er sie in seiner Finanzplanung. Er weiß nicht, ob das wirklich der Fall sein wird, aber er hat stichhaltige Gründe die dafür sprechen. Das ist die Denkweise eines Aktienanlegers.

Gold und Aktien sprechen Bedürfnisse an wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Verspricht Gold Stabilität und Schutz in Krisenzeiten, so belohnen Aktien diejenigen, die bereit sind den Schritt ins Ungewisse zu wagen.

Eine Letzte Anmerkung zu Gold: Das was für Gold gilt, gilt auch für eine weitere Reihe weiterer Anlagegegenstände wie Silber oder Kryptowährungen. Eigentlich sind Edelmetalle und Kryptowährungen Teil einer umfassenderen noch nicht benannten Anlageklasse. Pars Pro Toto bezeichne ich sie als Gold.

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